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22.07.2017 - 23:57
Foto: APA/LBI ARCHPRO/JUAN TORREJÓN VALDELOMAR/JOACHIM BRANDTNER

Riesiges Steinmonument bei Stonehenge entdeckt

07.09.2015, 08:51
Österreichische und britische Wissenschaftler haben ein riesiges unterirdisches Steinmonument in der Nähe von Stonehenge in Südengland entdeckt. Unter dem Wall der drei Kilometer von Stonehenge entfernten steinzeitlichen Anlage von Durrington Walls fanden sie Hinweise auf zumindest 200 bis zu 4,5 Meter hohe Steine. Ein Teil davon ist noch vorhanden, erklärten die Forscher.

Der archäologische Sensationsfund gelang den Wissenschaftlern im Rahmen des internationalen "Stonehenge Hidden Landscape Project" ganz ohne Schaufel oder Spaten. In einer Kooperation der Universität Birmingham, des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie sowie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien wird seit 2010 ein zehn Quadratkilometer großes Gelände rund um Stonehenge Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer analysiert. Diese geophysikalischen Methoden liefern unter anderem detailreiche 3D- Bilder unterirdischer Gebäude und Anlagen.

Bei den sogenannten Henges handelt es sich um steinzeitliche Anlagen, die aus einem runden oder ovalen Erdwall und einem innen liegenden Graben bestehen. Auf der Fläche im Inneren standen oft Stein- oder Holzpfahlkreise. Die wohl bekannteste derartige Anlage ist Stonehenge .

Fast fünfmal so groß wie Stonehenge

Durrington Walls zählt mit einem Durchmesser von 500 Metern (Stonehenge: 110 Meter) zu den größten Henge- Monumenten. Die Anlage besteht aus einem 1,5 Kilometer langen, 30 Meter breiten und bis zu drei Meter hohen Wall und einem innen liegenden, knapp 18 Meter breiten Graben. Im Inneren wurden bei früheren Grabungen die Überreste von zwei Holzpfahlkreisen und Häusern gefunden.

"Wir haben Hinweise, dass die Anlage von Durrington Walls in ihrer westlichen Hälfte von zumindest 200 Steinen umgeben war, wodurch sie das größte Steinmonument in Großbritannien wäre", sagte Forscher Klaus Löcker. Tatsächlich vorhanden sind allerdings nur noch rund 40 bis zu 4,5 Meter hohe Steine, sonst sind nur noch die Gruben zu erkennen, in denen sie aufgestellt waren. Aufrecht steht laut Löcker kein einziger Stein mehr, sie dürften umgelegt worden sein, als der Erdwall darüber errichtet wurde.

In unmittelbarer Nähe zu den im Untergrund verborgenen Steinen befindet sich eine noch heute erkennbare, halbkreisförmige Kreidegestein- Böschung, die von einem eiszeitlichen Fluss geformt wurde. In dieser Böschung finden sich leicht abbaubare Feuerstein- Bänke - für den Direktor des Boltzmann- Instituts, Wolfgang Neubauer, der Grund, warum sich hier Menschen angesiedelt haben. Offensichtlich würdigten sie diese damals so wertvolle Ressource mit dem nun entdeckten Steinmonument, so die Interpretation der Archäologen.

Rätsel um Verbleib der Steine

Wohin die im Untergrund nicht mehr vorhandenen Steine verschwunden sind, von deren Existenz nur noch die Fundament- Gruben zeugen, ist unklar. Löcker hält es für "unwahrscheinlich, dass Steine, die in einer rituellen Landschaft wie Stonehenge schon einmal in Verwendung waren, nicht weiter genutzt wurden".

Aufgrund der Radardaten gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Monolithen im Untergrund von Durrington Walls mit hoher Wahrscheinlichkeit um Sarsen- Steine aus der Region handelt. Diese wurden auch für die eindrucksvollen Konstruktionen von Stonehenge mit zwei Tragsteinen und einem Deckstein ("Trilithen") verwendet.

Dass es weitere Steinmonumente im Umkreis von Stonehenge gegeben hat, wusste man bereits. So wurde vor einigen Jahren am Ende der sogenannten Stonehenge Avenue, die den berühmten Steinkreis mit dem Fluss Avon verband, das "Bluestonehenge" entdeckt - eine aus 27 Blausteinen bestehende Anlage. Allerdings ist davon kein einziger Stein mehr vorhanden, nur noch die Fundamentlöcher zeugen von der Formation.

Erstes großes Steinmonument neben Stonehenge

"Mit den Steinen unter Durrington Walls haben wir also das erste große Steinmonument neben Stonehenge in der gesamten Landschaft entdeckt", so Löcker. Die neu entdeckte Anlage ist nach Meinung Neubauers "mit größter Wahrscheinlichkeit weit älter" als das 4000 bis 4500 Jahre alte Stonehenge.

07.09.2015, 08:51
AG/red
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