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02.12.2016 - 22:35

Dorf in Japan hütet Grab Jesu

04.12.2008, 12:34
Über der verschneiten Dorfstraße prangt ein blau-weißes Hinweis-Schild: "Zum Grab von Christus". Doch nein, das hier ist nicht der Nahe Osten, sondern der Ferne. Genauer gesagt Shingo, ein kleines von Reisfeldern, idyllischen Bergwäldern und Apfelbäumen umgebenes 3.000-Seelen-Dorf im hohen Norden Japans. Der sieben Autostunden von Tokio entfernte Ort lockt den Besucher nicht nur mit Delikatessen wie Knoblauch-Eis, sondern auch mit einer erstaunlichen Legende: Demnach ist Jesus Christus nicht etwa auf dem Hügel Golgata gestorben, sondern hier, im 10.000 Kilometer entfernten Japan.

Und das kam so: "Jesus kam im Alter von 21 Jahren nach Japan", erläutert der Dorfbeamte Norihide Nagano. So stehe es in einer Schriftrolle, die 1935 in einem Schrein der fernen Provinz Ibaraki gefunden worden sei, zusammen mit Jesus' "Testament". Und darin heiße es, dass Herr Christus zwölf Jahre in Japan mit religiösen Studien verbrachte und auch die Sprache lernte. Mit 33 kehrte er nach Judäa zurück, wo er jedoch wegen seiner Lehren gekreuzigt werden sollte. Doch nicht er landete am Kreuz, sondern sein Bruder. Jesus dagegen floh und reiste mit ein paar Jüngern, dem Ohr des Bruders und einer Locke der Jungfrau Maria über Sibirien und Alaska erneut nach Japan.

"Jesus heiratete Japanerin und wurd 106 Jahre alt"

"Und am Ende kam er in dieses Dorf zurück, heiratete eine Japanerin namens Miyuko, hatte drei Töchter und wurde 106 Jahre alt", erzählt Herr Nagano und zeigt auf zwei Erdhügel mit je einem großen Holzkreuz (siehe Foto). Das eine sei Jesus' Grab, das andere dem Bruder gewidmet. Nein, untersucht habe man die Gräber nie, sagt Herr Nagano, ohne Erlaubnis von Herrn Sawaguchi von nebenan gehe das sowieso nicht. Dem gehören die Gräber nämlich, schließlich sei er ein Nachfahre von Jesus. Er mag sich dem ungläubigen Besucher zwar nicht zeigen, aber es heißt, Sawaguchis Großvater sei größer und seine Nase länger als der Durchschnitt gewesen. Ja, und blaue Augen habe er auch gehabt.

Und ist es nicht erstaunlich, dass es hier im Dorf in früheren Zeit den Brauch gab, Neugeborenen ein Kreuz auf die Stirn zu malen? Lange, bevor den Bewohnern 1935 erzählt worden war, dass sich hier laut der damals gefundenen Dokumente Jesus' Grab befinde. Übrigens hatte man damals ganz zufällig nur einen Tag drauf in der Nähe noch etwas Tolles entdeckt: Pyramiden, die älter als die in Ägypten seien. Schade nur, dass keiner der Steine dort heute auch nur im Geringsten danach aussieht; angeblich sind sie im 19. Jahrhundert eingestürzt. Damals hieß Shingo noch Herai (klingt das nicht ein bischen nach "Hebrai", also irgendwie Hebräisch?) Und auch die Kleidung der Bauern früher, sehe sie nicht ein bischen wie die der Schäfer aus der biblischen Region aus, erzählt Herr Nagano beim Rundgang durch ein kleines Christus- Museum, das mit den beiden Grabhügeln heute Teil einer öffentlichen Parkanlage ist. Natürlich behaupte man nicht, dass das alles Tatsachen seien. "Ich weiß selber auch nicht, ob ich glauben soll, dass das Jesus' Grab ist", räumt Herr Nagano ein. Möglich sei aber ja, dass da zumindest eine wichtige Person liege.

Kein einziger Dorfbewohner ist Christ

Die Kreuze waren erst in den 60er- Jahren aufgestellt worden - vom Tourismusbüro des Dorfes. Seit damals feiern die Bewohner jedes Jahr im Juni dort das "Kirisuto Matsuri", das "Christus- Fest" - auch wenn es mit dem Christentum nichts zu tun hat, vielmehr mit Shinto, Japans Ur- Religion. Sowieso ist kein einziger Bewohner Christ, wie überhaupt nur etwa ein Prozent der Japaner Christen sind. Und was Jesus' "Testament" und das Dokument anbelangt, in dem die ganze Geschichte steht, so sollen die Originale im Zweiten Weltkrieg verbrannt sein. Im Museum liegt nur eine Kopie, und auch das sei nur eine Übersetzung ins moderne Japanisch - alles doch nur eine Fälschung, meinen andere.

Echt dagegen ist zumindest eine Steinplatte mit Inschrift neben den Grabhügeln: ein Geschenk der Stadt Jerusalem, gespendet 2004 vom israelischen Botschafter. Es sei nur Ausdruck einer normalen Städtefreundschaft wie man sie auch mit anderen Gemeinden habe, sagt Mariko Samejima von der Botschaft. Natürlich glaube man nicht, dass hier Jesus begraben liegt, "das ist ganz ausgeschlossen". Aber man sehe darin auch keine Blasphemie. Für manchen ist das Ganze eh nur ein weiteres Beispiel, wie Japaner geschickt Dinge aus dem Ausland aufnehmen und daraus etwas eigenes machen, so wie auch Weihnachten eher ein romantisch- lustiges Event zum Shoppen und Schlemmen ist.

Ganz gleich, was an Shingos Legende von Jesus' Grab und den Pyramiden dran ist. Eines hat die fantastische Geschichte den Bewohnern jedenfalls beschert: viele Touristen - mehr als 30.000 jedes Jahr. Und für die gibt es am Ende dann noch eine örtliche Spezialität: Reiswein, mit dem passenden Namen: "Christus- Dorf".

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