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05.12.2016 - 14:57
Foto: thinkstockphotos.de

Der Weg ist das Ziel: Wandern in Südafrika

07.03.2015, 17:00
Eine Wanderreise eröffnet einen anderen Blick auf Landschaft, Kultur und Leute. Die Kap-Region in Südafrika bietet ganz besondere Eindrücke abseits bekannter touristischer Pfade.

Willi ist 63 Jahre, ein knorriger, rüstiger Mann. Früher hat er Birnen, Pfirsiche und Marillen in Konserven eingelegt. Nach der Übernahme der Firma durch ein anderes Unternehmen hatte er keine Arbeit mehr. Er hat drei bereits erwachsene Kinder. Nach dem Tod seiner ersten Frau hat er bald wieder geheiratet, wurde noch einmal Vater von zwei Kindern. Seine Frau wollte das so. Sie ist auch oft eifersüchtig, weil Willi in seinem neuen Beruf viel unterwegs ist. Täglich. Seit zwölf Jahren führt er jeden Tag Wanderer auf dem Oystercatcher Trail.

54 Kilometer von Mosselbaai westwärts, einer der schönsten Küstenabschnitte des "Western Cape", entlang der Küste mit ständig wechselnden Gesteinsformationen. Die Etappe, die wir wandern, führt 16 Kilometer von Boggomsbaai nach Kanon. Wandern heißt ein Land entdecken. Mit allen Sinnen. Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich! Den starken Wind spüren, der hier über den Indischen Ozean peitscht, wenn wir über kilometerlange Strandabschnitte gehen und keinen anderen Menschen treffen. Das unglaubliche Farbspiel in allen nur vorstellbaren Orangetönen, wenn wir durch die Felsen klettern. Dazwischen faszinierende Dünenlandschaften und fast liebliche, sanfte Wanderwege.

Südafrika hat elf Amtssprachen

Willi spricht Xhosa, die zweitmeistgesprochene Muttersprache des Landes, eine von insgesamt elf Amtssprachen der "Regenbogennation". Somit ist Südafrika nach Indien und Bolivien das Land mit den meisten offiziellen Sprachen der Welt. Xhosa ist eine Sprache, die sich vor allem durch Schnalzlaute auszeichnet, welche durch Zunge, Zähne und den Rachen erzeugt werden. Willi unterhält uns mit einer Einführung in diese komplizierte Sprache, versorgt uns mit Informationen und, bei unserer Ankunft in Kanon, mit einer am offenen Feuer zubereiteten Muschelsuppe. Immer wieder lassen wir unsere Blicke über den Indischen Ozean schweifen, mit etwas Glück können wir hier auch Delphine und je nach Jahreszeit Wale, manchmal auch Haie beobachten. Das Naturreservat beherbergt eine Vielzahl von Vögeln wie z.B. den Schwarzen Austernfischer, den "Oystercatcher", nach dem dieser Wanderpfad benannt ist.

Willi geht hier jeden Tag. Es ist sein Leben, sagt er. Wenn man geht, findet man den Rhythmus, den man doch immer im Leben sucht. Man sieht Dinge, die man sonst nicht sieht. Erforscht die Außenwelt gleichermaßen wie die Innenwelt. Keine Art der Fortbewegung ist ursprünglicher, als einen Fuß vor den anderen zu setzen. Nicht vieles bringt uns so unmittelbar in die Gegenwart wie bewusstes Gehen. Und doch ist uns dieser natürliche Bewegungsablauf im durchgetakteten Alltag abhandengekommen. Während des Reisens langsamer werden, um mehr zu sehen. Schritt für Schritt spüren wir, wie sich der Geh- Rhythmus automatisiert und sich unsere Aufmerksamkeit verschiebt: vom Kopf in den Körper, vom Denken ins Fühlen, vom Gedankenkarussell ins einfach "Da sein". Wenn wir wirklich reisen, kommen wir deshalb immer zweimal an: am Ziel und bei uns selbst. Man braucht keine speziellen Voraussetzungen, um auf diese Weise zu reisen, Wanderreisen werden in jedem Schwierigkeitsgrad angeboten. Es reicht gutes Schuhwerk, ein Rucksack mit der Grundausstattung, eine Wasserflasche und die Freude am Gehen.

Wanderung an den südlichsten Punkt Afrikas

Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, touristische Hotspots mit dem etwas anderen Blick des Wanderers kennenzulernen. Etwa eine Wanderung von Cape Point bis zum Kap der Guten Hoffnung. Das hohe und steile Kliff mit seinem vorgelagerten Felsstrand liegt am Südende der Kap- Halbinsel, etwa 44 Kilometer südlich der nach ihm benannten Metropole Kapstadt. Es ist der südwestlichste, nicht der südlichste, Punkt Afrikas und damit jenes Kap, an dem die afrikanische Küste ihren Schwenk nach Osten beginnt und die Passage in den Indischen Ozean anzeigt. Der portugiesische Seefahrer und Entdecker Bartolomeo Diaz nannte Ende des 15. Jahrhunderts die über 20 Kilometer ins Meer vorragende Felsenzunge Cabo das Tormentas (Kap der Stürme). Der portugiesische König Johann II. soll ihm angeblich den neuen Namen gegeben haben, da er zu Recht hoffte, dass nun der Seeweg nach Indien entdeckt sei. Die Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung führt über den spektakulären Chapman's Peak Drive, eine landschaftlich faszinierende Strecke. Bei der Rückfahrt lohnt sich ein Stopp bei den Brillenpinguinen in Simon's Town.

Auf das Wahrzeichen Kapstadts – den Tafelberg – kann man sehr bequem und unkompliziert mit der Seilbahn fahren, in zwölf Minuten ist man oben. Aber es ist einfach nicht derselbe Blick, den man dann auf die pulsierende Großstadt, auf Hout Bay und das Meer hat – hier ist es noch der Atlantische Ozean, erst 150 Kilometer östlich, am Kap Agulhas, trifft das kalte Wasser des Atlantischen Ozeans auf die warmen Gewässer des Indischen Ozeans – wie wenn man einen der vielen Wanderwege gegangen ist. Über Leitern, durch Schluchten, auf Felsen, Moos und die typische "Fynbos" – Feinbusch- Vegetation, die man nur in Südafrika findet.

Großartige Aussicht vom Tafelberg

Kaum erreichen wir nach drei Stunden Gehzeit die Tafel, die weite Ebene des Berges, fürchten wir, um die Früchte unserer Mühe betrogen zu werden, denn es fällt dichter Nebel ein. Das ist so am Tafelberg, man braucht schon besonderes Glück, um ihn ohne Wolkenkrone zu erleben. So gehen wir durch den Nebel, Schritt für Schritt, verzweifelt lachend, denn wer müht sich schon stundenlang auf den Berg, um dann NICHTS zu sehen!? Und dann plötzlich, ein kleines Loch in der Nebelwand, ein Sonnenstrahl kämpft sich durch, und dann noch einer. Die Nebelschwaden fliehen so schnell, wie sie zuvor gekommen sind, ziehen entlang der Felswände davon, lösen sich auf. Und geben den Blick frei. Vor uns liegt die Stadt, das Meer.

Willst du etwas sehen, das du noch nie gesehen hast, etwas erleben, das du noch nie erlebt hast – dann musst du Wege gehen, die du noch nie gegangen bist!

07.03.2015, 17:00
Barbara Stöckl, Kronen Zeitung
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