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23.06.2017 - 04:43
MRT-Aufnahme eines menschlichen Gehirns
Foto: Universität Jena/Jan-Peter Kasper

Sucht verändert Gehirnstrukturen langfristig

21.12.2016, 15:58

Was Suchtkranke und ihre Ärzte immer schon gewusst haben, haben Wiener Gerichtsmediziner jetzt auch sozusagen handfest belegen können: Abhängigkeit verändert das Gehirn - Gehirnstrukturen bzw. Stoffwechselabläufe - langfristig. Mit pathologischen Untersuchungen wiesen die Gerichtsmediziner das an einem Protein namens FOS- B im Gehirn von verstorbenen Heroinsüchtigen nach.

FOS- B ist ein Transkriptionsfaktor im Gehirn, der gemeinsam mit anderen Molekülen im Rahmen der sogenannten Signaltransduktion (Reizübertragung auf die Zellen) beteiligt ist, genetische Informationen zwischen den Zellen zu transportieren und auch daran, ob bestimmte Gene aktiv werden oder nicht. FOS- B selbst ist ein Teil des Aktivierungsproteins AP1. Durch die ständige Versorgung durch Drogen wie Heroin wird FOS- B zu Delta- FOS- B, das bei chronischem Konsum immer mehr angeregt wird und auch Wachstumsfaktoren beeinflusst und strukturelle Veränderungen (Neuroplastizität) im Gehirn - etwa in der Region für die Gedächtnisbildung - bewirkt, hieß es im Fachmagazin "Journal of Addiction Research & Therapy".

Unter der Leitung von Monika Seltenhammer vom Department für Gerichtsmedizin der MedUni Wien konnte demnach in einer Studie gezeigt werden, dass die Auswirkungen dieser chronischen Reize auch noch nach dem Tod als "Sucht- Gedächtnis" nachweisbar ist. Dazu wurden die Gewebeproben aus einer Gehirnstruktur namens Nucleus accumbens von 15 verstorbenen Heroinsüchtigen untersucht. "Selbst neun Tage nach dem Tod war Delta- FOS- B mittels hochsensitiver Nachweismethoden noch feststellbar.", sagte Seltenhammer. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass dieser Zustand im Lebenden noch viel länger, möglicherweise über Monate, anhält.

Ebenfalls klar ist seit langem, dass Suchtkrankheit ein chronisches Leiden darstellt und die Betroffenen eben oft sehr lange betreut werden sollten. Die Beobachtungen der Wiener Gerichtsmediziner sprechen nun ebenfalls dafür.

Redaktion
krone.at
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