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Arktisches Meereis beeinflusst Winter in Mitteleuropa

28.01.2012, 08:00
Arktisches Meereis beeinflusst Winter in Mitteleuropa (Bild: Alfred-Wegener-Institut)
Foto: Alfred-Wegener-Institut
Auch wenn die aktuelle Wetterlage scheinbar klar dagegen spricht: Die Wahrscheinlichkeit für kalte und schneereiche Winter in Mitteleuropa steigt, wenn die Arktis im Sommer von wenig Meereis bedeckt ist. Das haben Forscher des Alfred- Wegener- Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) im deutschen Potsdam jetzt im Rahmen einer Klimaanalyse herausgefunden.

Demnach verändert die schrumpfende sommerliche Meereisbedeckung die Luftdruckgebiete in der arktischen Atmosphäre und bestimmt so das europäische Wetter mit. Der Grund: Taut das arktische Meereis im Sommer besonders stark ab, wie in den letzten Jahren beobachtet, kommt es zur Verstärkung zweier wesentlicher Effekte: Zum einen legt das Verschwinden der hellen Eisoberfläche den dunkleren Ozean frei, wodurch sich dieser im Sommer unter Sonneneinstrahlung stärker erwärmen kann (die Forscher sprechen in diesen Zusammenhang von einer Eis- Albedo- Rückkopplung). Zum anderen kann das zurückgegangene Eis nicht mehr verhindern, dass im Ozean gespeicherte Wärme an die Atmosphäre abgegeben wird (Deckel- Effekt).

Veränderte Luftdruckmuster

Durch die geringere Meereisbedeckung wird insbesondere im Herbst und im Winter die Luft stärker als in früheren Jahren erwärmt, denn in dieser Zeit ist der Ozean wärmer als die Atmosphäre. Die veränderten Bedingungen in der Arktis wirken sich in der Folge auf typische Zirkulations- und Luftdruckmuster aus, so Ralf Jaiser, Erstautor der AWI- Studie . Eines dieser Muster ist der Luftdruckgegensatz zwischen der Arktis und den mittleren Breiten: die sogenannte Arktische Oszillation  mit den Azorenhochs  und Islandtiefs , die man aus dem Wetterbericht kennt.

Ist dieser Gegensatz hoch, entsteht ein starker Westwind, der im Winter warme, feuchte atlantische Luftmassen bis tief nach Europa trägt. Bleibt er aus, kann kalte arktische Luft bis nach Europa vordringen, wie in den vergangenen beiden Wintern. Die vorliegenden Modellrechnungen zeigen, dass der Luftdruckgegensatz bei geringerer sommerlicher arktischer Meereisbedeckung im darauffolgenden Winter abgeschwächt wird, sodass arktische Kälte bis in die mittleren Breiten vordringen kann.

Viele weitere Faktoren spielen eine Rolle

Dass trotz der geringen Meereis- Ausdehnung im Sommer 2011 bei uns und in Deutschland ein kalter Winter bis dato ausgeblieben ist, liegt für Jaiser daran, dass im komplexen Klimasystem unserer Erde viele weitere Faktoren (etwa die Schneebedeckung Sibiriens oder tropische Einflüsse) eine Rolle spielen und sich gegenseitig überdecken können.

wed/AG
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