So, 19. November 2017

Hilfe für Mosambik

13.10.2017 13:33

Licht und Schatten

Versteckt und ausgegrenzt: Im siebent-ärmsten Land der Welt werden Beeinträchtigte meist diskriminiert. Mit rot-weiß-roter Hilfe finden einige wieder zurück ins Leben.

Wie ein Schleier hängt der Staub über der Fernstraße EN 6. Auf ihr schiebt sich eine Lkw-Kolonne Richtung Landesinnere. Am Straßenrand suchen Frauen nach Steinen, Händler verkaufen ihre Waren. Wer den Schleier durchdringt und abbiegt, landet meist in Armenvierteln oder in kleinen Dörfern im Nirgendwo der Savanne. Auf der UN-Liste der ärmsten Länder steht Mosambik ganz weit oben.

Nach der Kolonialzeit hat ein Bürgerkrieg Wunden hinterlassen. Rund 80 Prozent der Bewohner leiden Hunger. In Mosambik herrschen Armut und Krankheit.

Der Konvoi der rot-weiß-roten Hilfsorganisation ist noch nicht weit von der Küste entfernt, als er von der EN 6 abbiegt. Es geht über Sandpisten bis zu einer kleinen Hütte. Hier im Finsteren sitzt Maria Costa-Parafina (25), seit vier Jahren gehbehindert. Ihre Beeinträchtigung wurde für die junge Frau zum Fluch - auch psychisch. Die Familie hat sie zurückgewiesen, Nachbarn helfen nicht. Tag für Tag versucht sich die Alleingelassene durchzuschlagen; einsam und nur mit einem krummen Holzstock als Gehhilfe.

"In Mosambik werden Beeinträchtigte in vielen Fällen von der Gesellschaft verstoßen, Kinder sogar in Hütten versteckt und eingesperrt", erzählt Leovigildo Pechem, Mitarbeiter von "Licht für die Welt". Hier setzt die Organisation an. Mit einem Programm wird versucht, Diskriminierte und Beeinträchtigte direkt in deren Gemeinden zu erreichen. Maria ist eine von derzeit 486 Klienten, der dieses Privileg zuteil wird. Drei Mal in der Woche kommen Helfer, um mit ihr Gehübungen zu machen. Für Maria ebenso wichtig: "Ich habe endlich jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann. Sie sind wie meine neue Familie geworden."

Hart getroffen hat das Schicksal auch die 18-jährige Rita. Im Alter von nur sechs Monaten wurde sie krank, wahrscheinlich durch Malaria. Seither ist sie gehbehindert. "Bei Rita hat die Inklusion funktioniert", sagt Fieldworkerin Yolanda, als sie Rita in ihrer Schule besucht. Die junge Frau mit perfekt geflochtenen Zöpfen ist gut integriert. Ein wenig Licht in einer tristen Welt voll Schatten: Entwicklungshelfer gehen davon aus, dass in Mosambik 15 Prozent der Einwohner mit Behinderungen kämpfen - 80 Prozent von ihnen haben keine Ausbildung. Ein Teufelskreis, der mit Hilfe aus Österreich zumindest in einigen Fällen durchbrochen wird.

Obwohl die Realität anders aussieht. "Prinzipiell muss Bildung für Beeinträchtigte auch in Mosambik gewährleistet werden", weiß die Kärntnerin Sigrun Palmisano von "Licht für die Welt" in Südostafrika. Auf dem steinigen Weg dorthin wird das Projekt "Young Africa" unterstützt. Von der Gastronomie bis zur Technik wird hier beeinträchtigten Jugendlichen der Zugang zu einer Lehre ermöglicht.

Im Kampf gegen Armut, Hunger und Krankheiten haben die Helfer ihre Mission in Mosambik erweitert. Größtes Projekt ist derzeit die Errichtung einer Augenklinik, in der Blinde geheilt und dringend benötigtes medizinisches Personal ausgebildet werden sollen.

Thomas Leitner aus Mosambik

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