Sa, 25. November 2017

Blutige Terrorspur

23.03.2017 10:21

Drei Minuten des Horrors im Herzen Londons

Vier Tote und Dutzende Verletzte - das ist die blutige Bilanz des Terroranschlags im Herzen von London am Mittwoch. Ob es Zufall oder perfide Planung war, dass sich genau an diesem Tag die Brüssel-Anschläge jährten? War der Attentäter Teil eines Islamisten-Netzwerks oder ein "einsamer Wolf"? Viele offene Fragen, denen sich die Ermittler nun stellen müssen. Während die Union Jacks auf halbmast wehen, werden die Minuten des Horrors rekonstruiert. Mittlerweile ist bekannt: Der Attentäter wurde bereits einmal vom Geheimdienst MI5 überprüft.

Um 14.40 Uhr rammte der Attentäter auf dem Gehsteig der Westminster Bridge mit einem SUV sein erstes Opfer. Bei dem Wagen handelte es sich, wie am Donnerstag bekannt wurde, um ein Mietauto. Ein Mann wurde die Stufen zur Themse hinuntergeschleudert, eine Frau sogar über das Brückengeländer in den Fluss geworfen. Eine weitere Frau stürzte in einen Postkartenständer, ein Mann lag verletzt auf der Fahrbahn.

Bei seiner Horrorfahrt mähte der Angreifer Dutzende Menschen nieder, eine Frau wurde vor einen Doppeldeckerbus geschleudert. Unter den Opfern sind auch französische Schulkinder, koreanische Touristen sowie eine spanische Lehrerin. Anschließend hielt der Terrorist im Zickzackkurs weiter auf die in Panik fliehenden Menschen zu. Danach raste er Richtung Parlament.

Polizist stellt sich Attentäter in den Weg
Nachdem der Attentäter drei weitere Menschen niedergefahren hatte, rammte er den Zaun vor dem Parlament. Mit zwei langen Messern bewaffnet sprang er aus dem Auto und lief Richtung Besuchereingang, wo sich ihm Polizist Keith Palmer in den Weg stellte. Der Terrorist stach auf Palmer ein, der noch am Tatort seinen schweren Verletzungen erlag.

Zwei in Zivil gekleidete Polizisten eröffneten daraufhin das Feuer auf den Angreifer. Der Terrorist wurde mehrfach getroffen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Seine Identität wird von den Ermittlern zurückgehalten.

Angreifer war polizeibekannt
Mittlerweile ist aber klar, dass er gebürtiger Brite und bereits polizeibekannt war, wie Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament berichtete: "Was ich bestätigen kann, ist, dass der Mann in Großbritannien geboren wurde und dass er vor einigen Jahren vom MI5 (Inlandsgeheimdienst, Anm.) im Zusammenhang mit der Besorgnis über gewaltsamen Extremismus überprüft wurde", sagte May. "Er war eine periphere Figur", fügte sie hinzu. "Dieser Fall ist historisch, er war nicht Teil des laufenden Geheimdienst-Bildes." Es habe im Vorhinein keine Geheimdienstinformationen über seine Absicht, einen Anschlag zu verüben, gegeben.

Union Jacks in London auf halbmast
In London wehen die Flaggen am Donnerstag auf halbmast, die Parlamentsabgeordneten begannen ihre Sitzung mit einer Schweigeminute. Auf den Straßen patroullieren schwer bewaffnete Polizisten - angesichts dessen, dass die "Bobbys" normalerweise unbewaffnet auf Streife gehen, ein ungewohntes Bild. War es Zufall oder eiskalt geplant, dass sich genau am 22. März die Anschläge in Brüssel jährten? Die Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard verfolgt derzeit jede Spur.

Bürgermeister: "Dürfen uns nicht beugen"
Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich am Tag danach kämpferisch: "Wir dürfen uns nicht beugen, wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten", sagte Khan am Donnerstag in einem Interview des Nachrichtensenders Sky News. Der britische Moderator James Cordon geht sogar noch weiter: "Wenn dieser Terrorakt begangen wurde, um die Menschen in London zu spalten, kann ich nur sagen: Ich bin sicher, dass so etwas sie noch näher zusammenbringt."

Queen: "Gedanken, Gebete und Mitgefühl"
Königin Elizabeth II. sprach den Opfern des Terroranschlags ihr Mitgefühl aus. "Meine Gedanken, Gebete und mein tiefstes Mitgefühl sind bei all denen, die von der gestrigen furchtbaren Gewalt betroffen sind", erklärte die 90-jährige Monarchin in einer am Donnerstag vom Königshaus verbreiteten Mitteilung. "Ich weiß, ich spreche im Namen aller, wenn ich meinen tiefen Dank und meine Bewunderung für die Mitglieder der Polizei ausdrücke und für all diejenigen, die so selbstlos daran arbeiten, andere zu schützen", hieß es weiter.

Video: Mehrere Festnahmen nach Terroranschlag in London

Michaela Braune
Redakteurin
Michaela Braune
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