So, 19. November 2017

Runder Geburtstag

29.12.2016 08:14

Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wird 70

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" feiert am 4. Jänner seinen 70. Geburtstag. Vor sieben Jahrzehnten brachte der damalige Chefredakteur Rudolf Augstein (1923-2002) die erste Ausgabe des politischen Magazins heraus, das sich zu einem Leitmedium in der deutschen Presselandschaft entwickelte.

Der amtierende Chefredakteur Klaus Brinkbäumer (49) forderte angesichts von Terrorismus und Rechtspopulismus die deutschen Medien auf, sich für Pressefreiheit und Demokratie einzusetzen. "Medien können und müssen nach wie vor recherchieren, was stimmt, und sagen, was ist", forderte Brinkbäumer.

Anlässlich des Jubiläums hat der Hamburger Senat am 6. Jänner zu einem Empfang ins Rathaus eingeladen. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist als Festrednerin vorgesehen. Auch der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Brinkbäumer werden zu den geladenen Gästen sprechen.

"Sturmgeschütz der Demokratie"
In Anlehnung an das Image des Nachrichtenmagazins, das unter Augsteins Ägide als "Sturmgeschütz des Demokratie" galt, sagte Brinkbäumer der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg: "Das Wort "Sturmgeschütz" ist mir zu militaristisch. Damit ist aber gemeint, Verteidiger der Demokratie zu sein." Dies müssten Journalisten in Zeiten wie diesen, in denen Demokratie derart ernsthaft infrage gestellt werde, noch viel mehr sein. "Lügner müssen Lügner genannt werden, und Rassisten sind als das zu beschreiben, was sie sind", ergänzte Brinkbäumer.

Mit zwei Jubiläumsausgaben will das Nachrichtenmagazin zum Jahreswechsel (Veröffentlichung: 30.12.2016 und 7.1.2017) auf sieben Jahrzehnte Verlagsgeschichte zurückblicken. Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" startet am 4. Jänner 2017 eine Sonderseite. Das wichtigste Ereignis für das Blatt selbst war die "Spiegel"-Affäre 1962. In der Fehde zwischen Augstein und dem deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) über einen kritischen Artikel zur NATO-Übung "Fallex 62" durchsuchten Kriminalbeamte die Redaktionsräume des Magazins in Hamburg, und Augstein kam vorübergehend in Untersuchungshaft. Letztlich war eine Regierungskrise die Folge.

Gründer beteiligte Mitarbeiter am Verlag
1974 beteiligte Augstein seine Mitarbeiter mehrheitlich (50,5 Prozent) am Verlag, was ihnen Gewinnausschüttungen einbringt - ein in der deutschen Medienbranche einmaliges Modell. "Die Loyalität hier ist sehr hoch, weil das Unternehmen mehrheitlich uns gehört. Alle spüren hier Verantwortung und - etwas pathetisch gesagt - auch ein Erbe. Wir dürfen es nicht vermasseln", sagte Brinkbäumer.

Durch den Strukturwandel in der Medienbranche hat auch das Nachrichtenmagazin über Jahre an Auflage eingebüßt und verkaufte zuletzt 789.062 Exemplare (3. Quartal). Das Heft erreicht zusammen mit "Spiegel Online" wöchentlich mehr als 13 Millionen Menschen: auf Papier, im Internet und mobil, wie der Verlag mitteilte. "Wir investieren in zahlreiche neue Produkte und sind als multimediales Haus hervorragend aufgestellt", berichtete "Spiegel"-Geschäftsführer Thomas Hass.

Die Mediengruppe, zu der auch Spiegel TV, das "Manager Magazin" und "Harvard Business Manager" gehören, setzte 2015 rund 285 Millionen Euro um. Sie beschäftigte in dem Jahr noch 1129 Mitarbeiter. Durch ein Sparprogramm, das auch einen Stellenabbau umfasst, sollen von 2018 an dauerhaft 15 Millionen Euro gespart werden.

 krone.at
Redaktion
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