Do, 19. Oktober 2017

Problem Wundheilung

20.12.2016 06:05

Forscherin will mit speziellen Immunzellen helfen

Verletzungen der Haut verheilen normalerweise von selbst, weil unsere Haut ausgeklügelte Mechanismen zur schnellen Wundheilung entwickelt hat. Dass diese Mechanismen aber auch versagen können, wissen circa 90.000 Menschen in Österreich, die mit chronischen Wunden leben. Schlecht oder gar nicht heilende Wunden verringern die Lebensqualität der Betroffenen und sind zudem kostspielig. Eine mögliche Lösung könnte in den Zellen des Immunsystems stecken.

"In den letzten Jahren erkennen wir immer mehr, dass Immunzellen viele weitere Funktionen haben, als uns nur gegen Infektionen zu schützen", erklärt Assistenzprofessorin Dr. Iris Gratz von der Universität Salzburg. Es hat sich nämlich gezeigt, dass spezielle Immunzellen, die sogenannten "Helfer-T-Zellen", Gewebe wie die Haut in ihrer gesunden Funktion unterstützen können. Diese "Hilfe" möchte die Immunologin mit ihrem Team verstehen und therapeutisch nutzen lernen.

Immunzellen kommunizieren mit der Haut
In der Haut kommunizieren die Immunzellen mit Hautzellen und umgekehrt. Chemische Wundsignale - ähnlich einem SOS-Signal - werden von Hautzellen, z. B. nach Verletzungen, ausgesandt, um Immunzellen in die Haut zu dirigieren. Als Antwort auf dieses SOS-Signal senden die T-Zellen dann Helfersignale an das Gewebe zurück, um die einzelnen Schritte der Wundheilung zu beschleunigen. Die Folge ist schnelleres Abklingen der Entzündung in der Wunde und besserer Wundverschluss.

Das Forschungsziel des Salzburger Teams ist es, mit Hilfe von Hautzellkulturen und Modellen von menschlicher Haut herauszufinden, welche genauen chemischen Signale am besten zur Wundheilung beitragen. Langfristig wird angestrebt, die identifizierten Signale therapeutisch einzusetzen, um chronische Wunden zu schließen. Davon würden Menschen mit Diabetes, aber auch "Schmetterlingskinder" (Menschen mit der angeborenen blasenbildenden Hauterkrankung Epidermolysis bullosa, kurz EB) profitieren.

Daher wird die Forschungsgruppe nicht nur vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Universität Salzburg unterstützt, sondern auch von der EB-Patientenorganisation DEBRA Austria.

Zur Person:
Die Oberösterreicherin Iris Gratz hat an der Universität Salzburg Biologie studiert und sich nach ihrer Promotion im Jahr 2005 der Erforschung des Immunsystems der Haut zugewandt. Internationale Forschungserfahrung konnte sie an der University of California in San Francisco (UCSF), in der Arbeitsgruppe des international anerkannten Immunologen Prof. Abul Abbas, sammeln. Ihre Arbeit wurde 2013 mit dem Christian-Doppler-Preis für Molekulare Biologie ausgezeichnet. Im März 2014 ist Gratz wieder nach Österreich zurückgekehrt und hat ihr Forschungsteam an der Universität Salzburg aufgebaut.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Kronen Zeitung

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