So, 17. Dezember 2017

Christian Scheider

17.03.2016 16:24

Klagenfurt wird kaputtgespart!

Vor einem Jahr kam es zum Machtwechsel in Klagenfurt. Die Parteien ziehen Bilanz. Heute: Stadtvize Christian Scheider (FP).

Man hat das Gefühl, Sie haben sich noch nicht ganz von dem Schock der Abwahl erholt - stimmt’s?

Nein, also wir sind weit weg von solcher Art Selbstbeschäftigung.

Sie gelten als Hans Dampf in allen Gassen. Ist Ihnen jetzt langweilig?

Es ist natürlich anders. Früher war ein großer Druck da. Aber wer sich mit den Themen eingehend beschäftigt, hat sowieso immer genug zu tun.

Wie bewerten Sie Ihre eigene Arbeit als Opposition?

Es war natürlich eine große Umstellung. Aber jetzt können wir uns die Arbeit von denen anschauen, die vorher alles kritisiert und blockiert haben. Wir haben bereits vieles richtig aufgezeigt und haben auch rechtzeitig korrigierend einwirken können.

Aha, wobei denn?

Zum Beispiel waren bei den Einsparungen noch krassere Dinge geplant, wie etwa Zusammenlegungen von Abteilungen im Rathaus. Außerdem sind wir ja der einzige Informationskanal. Wir stehen doch in Wahrheit einer Einheitspartei gegenüber. Die Bürgermeisterin steuert, daneben fahren zwei Beiboote.

Aber müssen Sie nicht auch eingestehen, dass die Stadtregierung ihre Arbeit eigentlich nicht schlecht gemacht hat?

Aber wo! Wenn man sich das anschaut: Es gibt keine neuen Projekte. Alles, was diskutiert wird, war vorher schon ein Thema. Sie leben von unseren Projekten.

Welche Projekte denn?

Beim Stadion haben wir die ganze Vorarbeit geleistet. Oder bei der Energielösung mit Biomasse: Auch da wurde schon von uns alles vorbereitet, trotz der aktuellen Probleme. Oder die Leichtathletik-Anlage und die Stocksport-Anlage. Ich bin gespannt, ob in dieser Periode auch noch so viel passieren wird.

Aber offenbar haben Sie ein ziemliches Chaos hinterlassen...

So stimmt das nicht! SPÖ, ÖVP und Grüne hat es früher auch im Stadtsenat gegeben - und im Gemeinderat. Alle haben die gleiche Verantwortung. Es war halt immer so: Bei den guten Sachen haben sich alle nach vorne gedrängt, dort, wo nichts zu holen war, kam auf einmal die oppositionelle Kritik. Oder wenn ich daran denke: Bei jeder Kleinigkeit ist die Personalvertretung früher schon vor unserer Tür gestanden, jetzt wird drübergefahren mit dem Express.

Das Budget schreibt heuer erstmals schwarze Zahlen. Warum kann man das nicht anerkennen?

Sicher: Die Stadt muss sparen und muss sich weiter reformieren. Aber alles kaputtsparen, und sich nur auf die Zahlen zu konzentrieren, das ist der falsche Weg. Noch dazu setzt man etablierte und eingespielte Einrichtungen wie die Youth Points aufs Spiel.

Aber die meisten Youth Points sind ja noch da!

Ja, aber einer ist wieder weg. Und es gibt einen massiven Eingriff im Sozialbereich wie bei den Senioren und bei der Gesundheit. Es gibt bis dato auch keine Lösung mit der Drogenambulanz.

Zu den Stadtwerken: Dort sieht’s offenbar nicht so rosig aus, wie Sie es gerne dargestellt haben.

In wenigen Monaten ist es gelungen, die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stadtwerken zu einer Baustelle zu machen, die sicher schwere finanzielle Konsequenzen mit sich bringen wird.

Die Bürgermeisterin hat aber gesagt, unter Ihnen seien die Managementkosten explodiert.

Das ist die glatte Unwahrheit! Die Wahrheit ist, dass es einen Reformplan gegeben hat, durch den wir viel eingespart haben.

Warum wird man den Eindruck nicht los, dass Sie zu Ihrem Parteichef Wolfgang Germ kein gutes Verhältnis haben?

Also, nein! Wir haben eine Aufgabenaufteilung vereinbart, jeder erfüllt seinen Part. Ich hab’ ihn ja auch in die Politik gebracht, in den Gemeinderat und den Stadtsenat - da wird es eine konzentrierte Zusammenarbeit geben.

Werden Sie noch einmal für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Es ist derzeit noch viel zu früh. Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand sagen, was 2021 sein wird. Man weiß nie, was passiert. Aber es ist sicher möglich. Fragt’s mich in zwei, drei Jahren noch einmal.

Nun sind die "Krone"- Leser am Wort: Was sind Ihre Erwartungen an die Stadtregierung im zweiten Jahr? Jetzt abstimmen in der Infobox!

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