Mo, 18. Dezember 2017

Abfall von Schiffen

07.04.2012 09:22

Forscher warnen: Wrack der "Titanic" versinkt im Müll

100 Jahre nach dem Untergang der "Titanic" gleicht der Meeresboden rund um das Schiffswrack einer Müllhalde. Der meiste Abfall stammt von Schiffen, die den Ort der Katastrophe im Nordatlantik passieren: "Bierdosen, Plastikbecher, solche Sachen", sagt James Delgado. Mit dem allgemeinen Zustand des Wracks selbst aber ist der Leiter des Programms für Kulturstätten im Meer der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA aber zufrieden.

"Sogar eine Packung Waschmittel haben wir gefunden", berichtet Delgado von einer Expedition im August 2010, bei der er sich an Bord des russischen Tauchfahrzeuges "Mir" dem gesunkenen Schiff näherte. Sie diente dazu, eine genaue Karte des riesigen Trümmerfelds in knapp 4.000 Metern Tiefe zu erstellen. "Dieser Müll wird dort für lange Zeit liegen bleiben", fürchtet er.

Nicht nur Wissenschaftler, auch Privatleute besuchen inzwischen den Ort, an dem die "Titanic" am 15. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammte und sank. 45.000 Euro pro Person kostet die Reise in die Tiefe. Doch auch die Luxusausflügler sorgen für unerwünschte Spuren: "Jeder, der dort hinuntertaucht, hinterlässt Plastikblumen, eine Gedenktafel oder sonstige Andenken", sagt Jamie Shreeve, der sich als Wissenschaftsredakteur der Zeitschrift "National Geographic" mit der "Titanic"-Saga beschäftigte. "Es sieht aus wie an einer Unfallstelle auf der Autobahn. Die archäologische Stätte ist nicht mehr unverfälscht."

Forscher wollen Gedenkstätte am Wrack
Der Meeresarchäologe Delgado und seine Kollegen setzen sich deshalb dafür ein, den in internationalen Gewässern liegenden Fundort des Wracks zur Gedenkstätte erklären zu lassen. Oder ihn anders zu schützen: Vor Kurzem forderte die Internationale Seeschifffahrts-Organisation alle Schiffe auf, keinen Müll und keine Abwässer mehr in einer 35 Quadratkilometer großen Zone rund um das Wrack zu entsorgen. Auch in einem Video auf YouTube spricht sich die NOAA für den Schutz des Wracks aus (siehe Video oben).

Anders als viele glauben, hält sich das Wrack erstaunlich gut. Der Rost scheint es stärker zu respektieren als seine ehrfürchtigen Besucher. Es sieht so aus, als werde es noch Jahrzehnte lang intakt bleiben. "Der Schiffsrumpf ist weiterhin sehr stabil", sagt Delgado. "Im Innern sind immer noch Holzteile und Stoffe erhalten." "Immer wieder gab es Spekulationen, dass das Wrack in 20 oder 30 Jahren komplett verrostet sein wird", berichtet auch Wissenschaftsredakteur Shreeve. Tatsächlich aber hätten ihm alle Experten bestätigt, dass es sich um einen viel langsameren Prozess handle.

Fundstücke kommen unter den Hammer
Vielen Teile des Luxusschiffs und seines Inventars können Rost und Zersetzungsprozesse nichts mehr anhaben: Rund 5.500 Fundstücke - von einem 17 Tonnen schweren Teil des Rumpfes bis zum Porzellan der Erste-Klasse-Passagiere - haben Taucher geborgen. Zum 100. Jahrestag des "Titanic"-Dramas werden sie in New York versteigert.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden