Di, 20. Februar 2018

Unwetter in den USA

30.04.2011 10:09

Tornados fordern über 320 Tote ++ AKW abgeschaltet

Eine verheerende Serie von Tornados hat weite Teile des Südens der USA verwüstet. Laut Behördenangaben starben über 320 Menschen, alleine im Bundesstaat Alabama gibt es 200 Todesopfer. 1.700 Personen wurden verletzt, über 10.000 Menschen sind obdachlos. Die Stadt Tuscaloosa wurde durch einen Tornado von mehr als 1,5 Kilometern Breite regelrecht auseinandergerissen. Ein Atomkraftwerk nahe Athens wurde aus Sicherheitsgründen heruntergefahren.

Präsident Barack Obama zeigte sich erschüttert: "Der Verlust an Menschenleben ist herzzerreißend", sagte er im Weißen Haus. Es handle sich um die schwersten Wirbelstürme seit Jahrzehnten. Der Präsident, der sich ständig auf dem Laufenden halten ließ, sagte den Menschen Hilfe zu, die Regierung lasse die Betroffenen beim Wiederaufbau nicht allein. Obama wollte am Freitag in das Katastrophengebiet nach Alabama reisen. Am Donnerstag schickte er den Chef der nationalen Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Craig Fugate, nach Alabama und stellte bereits Bundesmittel zur Unterstützung der Bergungs- und Aufräumarbeiten in dem Staat bereit.

Bürgermeister: "Bitte betet für uns!"
Am schwersten wurde Tuscaloosa getroffen. Der Tornado, der am Mittwoch über die Stadt hinwegfegte, hatte eine Breite von über 1,5 Kilometer. Innerhalb weniger Minuten verwandelte der Wirbelsturm Straßenzüge in Trümmerlandschaften. Autos wurden durch die Luft gewirbelt. Allein hier wurden mindestens 36 Einwohner tot geborgen, mehr als 600 Personen wurden in Krankenhäuser gebracht. "Ich weiß nicht, wie es überhaupt Überlebende geben konnte", sagte der völlig schockierte Bürgermeister Walter Maddox. "Bitte betet für uns!"

In der Stadt Birmingham wirbelten bereits am Mittwochmorgen (Ortszeit) Stürme mit einer Geschwindigkeit von etwa 160 Stundenkilometern durch die Straßen, die Schulen und viele Geschäfte hatten bereits vorsichtshalber geschlossen. Aber niemand war auf das gewaltige Ausmaß der Zerstörung vorbereitet, das dann am Abend ein gewaltiger Tornado anrichtete. "Der nordwestliche Teil der Stadt ist verwüstet", schilderte Bürgermeister William Bell. Hunderte seien verletzt, Dutzende würden vermisst.

"Es ist Brachland, es gibt keine Gebäude mehr", beschrieb eine Einwohnerin in Jefferson County das Bild. "Mein Badezimmer ist jetzt auf der anderen Straßenseite", sagte eine andere fassungslos dem örtlichen Sender WMBC. Alle Krankenwagen aus der Region waren im Einsatz. In manchen Gebieten Alabamas sind die Leichenhallen so überfüllt, dass Kühlwagen die Toten aufnehmen müssen.

Dutzende Todesopfer und schwere Verwüstungen gab es auch in den Staaten Mississippi, Arkansas, Georgia und Tennessee. Siedlungen wurden dem Erdboden gleichgemacht, Hunderttausende Menschen saßen ohne Strom da. In Alabama, Mississippi und Georgia wurde der Notstand ausgerufen. In Virginia starben acht Menschen.

Zahl der Toten könnte noch steigen
Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte. Den gesamten Donnerstag waren Einwohner und Rettungskräfte dabei, unter den Trümmern der Häuser nach Überlebenden zu suchen. Wegen vieler umgestürzter Bäume und Schuttberge konnten sich Rettungsmannschaften in manchen Gebieten erst 24 Stunden nach den Unwettern einen Weg durch die Trümmerhalden bahnen.

Die Schäden seien derart enorm und so weit verbreitet, dass es wahrscheinlich Tage dauern werde, bis das Ausmaß der Katastrophe abzusehen sei, sagte Alabamas Gouverneur Robert Bentley. Er rief 2.000 Nationalgardisten zur Hilfe, um nach Überlebenden zu suchen. Rettungsmannschaften waren bereits die Nacht zum Donnerstag über im Einsatz, "bis zur Erschöpfung", schilderten lokale Medien. "Sie arbeiten bis zum Umfallen."

Allein am Mittwoch 150 Tornados
Nach Angaben des US-Wetterdienstes trafen aus dem Süden allein am Mittwoch 150 Berichte über Tornados ein. Das entspricht fast der durchschnittlichen Zahl in den USA im gesamten Monat April. "Es könnte der schlimmste Tornado-Ausbruch der US-Geschichte sein", sagte der CNN-Meteorologe Sean Morris. Streckenweise fegten die Wirbelstürme mit über 300 Stundenkilometern über das Land.

AKW in Alabama heruntergefahren
Die Nuklearregulierungsbehörde (NRC) in Washington konzentrierte unterdessen ihr Augenmerk auf einen Atommeiler nahe Athens in Alabama, der bei den Unwettern am Mittwochabend (Ortszeit) von der Stromversorgung abgeschnitten worden war. Die drei Reaktoren der Browns-Ferry-Anlage schalteten sich danach automatisch ab, teilte die NRC mit. Der Vorfall sei als "ungewöhnlich" eingestuft worden - das ist die niedrigste von vier NRC-Kategorien bei der Beschreibung von Notsituationen.

Der Nationale Wetterdienst warnte vor neuen Tornados, Hagel, Überschwemmungen und Blitzschlag in Teilen der Südstaaten Alabama, Georgia und Mississippi sowie vor Unwettern in weiteren 21 US-Staaten von den Großen Seen bis zur Golfküste und zum Atlantik. Für Samstag wurde eine neue Schlechtwetterfront erwartet.

Schäden in Höhe von fünf Milliarden Dollar befürchtet
Die Versicherungsbranche muss nach der Tornado-Serie in den USA nach Einschätzung der Risikomodellierungsfirma Eqecat für Schäden in Höhe von zwei bis fünf Milliarden Dollar (1,3 bis 3,3 Milliarden Euro) geradestehen. Das teilten die US-Spezialsten am Freitag mit.

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