Fr, 24. November 2017

„Mama, was ist ‚tot‘?“

17.02.2011 16:51

Wie du deinem Kind durch die Trauer hilfst

Für jedes Kind kommt einmal der Moment, in dem es sich dem Verlust eines lieben Menschen gegenübersieht. Oft sind es die Großeltern, manchmal aber auch ein Elternteil oder gar Geschwister, die plötzlich nicht mehr da sind. Gerade für Kinder, die das erste Mal mit so einem Verlust konfrontiert sind, ist das ein traumatisches Erlebnis.

Wie sage ich meinem Kind, dass jemand gestorben ist?
Auch für Erwachsene ist der Umgang mit diesem Thema nicht leicht. Man ist selbst traurig und erschüttert und muss nun auch seinem Kind mitteilen, was passiert ist. Wichtig ist, je nach Alter des Kindes abgestuft zu reagieren, aber keine Beschönigungen vorzunehmen, um die Endgültigkeit zu verschleiern, da Kinder damit am schlechtesten umgehen können. Zu sagen, die Oma wäre eingeschlafen, kann verheerende Folgen haben. Denn auch dein Kind schläft jeden Abend ein – wacht aber wieder auf.

Besser ist es, kleinen Kindern zu sagen, dass jemand jetzt im Himmel ist, oder an einem Ort, an den alle Menschen gehen, wenn ihre Zeit auf der Erde vorbei ist. Oft hilft es Kindern, wenn sie das Gefühl haben, dass der geliebte Mensch nicht weg ist, als ob er nie existiert hätte. Ist ein Kind schon älter, kannst du auch schon das Wort „gestorben“ verwenden. Im ersten Schritt ist es jedoch normal, dass das Kind den Tod auch verleugnet, nicht wahrhaben will. Auch ein „Du lügst“ ist nicht ungewöhnlich, das Kind kann noch nicht akzeptieren, dass jemand wirklich nicht wiederkommt.

Wie verarbeiten Kinder Trauer?
Trauer verläuft bei Kindern wie auch bei Erwachsenen nicht gleich. Manchmal macht es den Anschein, als ob der Verlust kaum Spuren hinterlassen hat, doch hinter der Fassade sieht es anders aus. Manche Kinder tragen ihre Traurigkeit nach außen, bei anderen äußert sie sich in Wut und Aggression, weil oft Selbstvorwürfe da sind – das Kind meint, es hätte etwas verhindern können. Oft ist es auch Wut aus der Ohnmacht heraus, nichts tun zu können. Manche Kinder weinen Monate nach dem Verlust das erste Mal, manche trauern auch übers Spiel und verarbeiten ihre Gefühle dadurch. Kinder springen dabei oft auch von einer traurigen Phase in eine fröhliche. Während Erwachsene oft wie betäubt sind, ist es nicht weiter ungewöhnlich, dass Kinder schon wenige Tage nach dem Schicksalsschlag beim Spielen lachen – sie fokussieren sich immer auf eine Sache, die Traurigkeit muss nicht notwendigerweise alles andere überlagern. Die unbeschwerten Phasen sind aber auch wichtig, damit sich dein Kind von der Erfahrung erholen kann.

Wichtig ist, dass dein Kind dir Fragen stellen kann, die du auch ehrlich beantwortest, wie etwa die Frage nach dem Warum. Beobachte dein Kind ganz genau, wie es mit der Nachricht umgeht. Ist es traurig, dann nimm es in den Arm und tröste es. Sag ihm, dass du auch traurig bist. Dass dir derjenige fehlen wird, aber dass ihr versuchen müsst, euch an alle schönen Zeiten zu erinnern und denjenigen in euren Herzen weiterleben zu lassen.

Beerdigung – ja oder nein?
Du solltest deinem Kind die Möglichkeit offen lassen, ob es an den Trauerfeiern teilnehmen will bzw. es in die Gestaltung derselben miteinbeziehen, wenn es das möchte. Seine Wünsche sollen berücksichtigt werden. Manche Kinder schützen sich jedoch auch instinktiv davor. Erkläre ihm, worum es bei der Bestattung geht, dass es eine Möglichkeit des Abschiednehmens ist, nochmal gemeinsam an den Verstorbenen zu denken, um traurig sein zu dürfen, aber auch um dann weiterzumachen.

Erkläre ihm aber auch, dass der Verstorbene dabei in einer Kiste liegen wird, die Sarg heißt, und dass dieser dann in der Erde vergraben wird bzw. verbrannt wird. Will es jedoch einfach nicht sehen, wie eine Beerdigung vonstattengeht oder ein Sarg verbrannt wird, dann versuche nicht, es zu überreden. Besser ist es, mit dem Kind am eigenen Abschied zu arbeiten. Lasse es ein Bild zeichnen oder einen Brief schreiben, in dem es vom Verstorbenen Abschied nimmt, ihm noch einmal alles sagen kann. Den könnt ihr dann gemeinsam entweder am Grab hinterlegen, verbrennen oder im Wind verstreuen.

Erst wenn dein Kind sich wirklich bereit fühlt, sollte es zum Friedhof gehen. Es ist oft schwer zu verstehen, dass hier nun die Hülle des Verstorbenen sein soll – dein Kind hat die Erinnerung, wie die Oma es im Arm gehalten hat, und nun soll sie auf einmal in der Erde sein. So nah und doch so weit weg. Entscheidet sich dein Kind, an der Bestattung teilzunehmen, dann sollte ein Erwachsener die ganze Zeit über bei ihm sein und nur für es da sein, falls die emotionalen Eindrücke doch zu intensiv werden.  

Wie kannst du helfen?
Du solltest deinem Kind viel Liebe und Nähe vermitteln, es braucht nun mehr Zuwendung als davor. Denn dein Kind ist in seinem Urvertrauen erschüttert, es erfährt erstmals, dass es Verluste gibt, gegen die man nichts tun kann. Zeige ihm Kanäle, wie es mit seinen Gefühlen umgehen kann: zeichnen, lesen, Musik hören, schreiben. Erinnert euch an gemeinsame Erinnerungen, schöne Erinnerungen, seht euch Fotos an. Aber sorge auch dafür, dass dein Kind wieder in sein normales Leben findet, abseits der Trauer. Daher sind Rituale und geregelte Tagesabläufe sehr wichtig in dieser Zeit – sie vermitteln Sicherheit. Auch der Kontakt zu Freunden und jenen Menschen, die deinem Kind Halt geben, sollte verstärkt gehalten werden.

Gerade bei Verlusten von Elternteilen oder Geschwistern ist die Familie jedoch oft mit der Trauerarbeit überfordert. Hier sind Psychologen bzw. Seelsorger gefragt, die sich auf die Trauerbewältigung von Kindern spezialisiert haben, um zu verhindern, dass dein Kind in eine Depression stürzt bzw. das Trauma alleine einfach nicht bewältigen kann.

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