Di, 17. Oktober 2017

Bedingtes Urteil

06.12.2010 17:16

Frau setzte sich mit Baby an die Gleise – vier Wochen Haft

Eine 22-jährige Frau aus dem Bezirk Vöcklabruck ist in einem Prozess um einen lebensgefährlichen Zwischenfall in einem Bahnhof Montagnachmittag im Landesgericht Wels zu vier Wochen bedingter Haft verurteilt worden. Sie hatte sich mit ihrem 15 Monate alten Sohn zu den Bahngleisen gesetzt, um ihren damaligen Lebensgefährten von der Abreise abzuhalten.

Die Verhandlung fand erst im zweiten Anlauf statt. Zum ersten Termin Anfang November war die Angeklagte nicht erschienen. Nunmehr stellte sie sich dem Gericht. Sie habe vor dem Zwischenfall im vergangenen Sommer mit ihrem Freund Streit gehabt. Deswegen habe sie sich mit ihrem Kind auf dem Arm auf die Bahnsteigkante gesetzt und die Beine über den Schienen baumeln lassen. Sie habe Kopfhörer aufgehabt und Musik gehört, damit sie das "Gefasel" von ihrem Lebensgefährten nicht anhören muss, schilderte sie vor Gericht.

Deshalb bemerkte sie einen Güterzug, der durch die Station fuhr, zu spät, um noch aufzustehen. Der Zugführer sah die Frau und leitete eine Notbremsung ein. Er konnte aber nicht mehr rechtzeitig anhalten und donnerte mit rund 90 km/h an Mutter und Kind vorbei. Die Frau hatte Glück: Nur ein Trittbrett streifte sie und fügte ihr am rechten Knie eine Rissquetschwunde zu. Wäre ein breiterer Personenzug durchgefahren, wäre die Mutter von diesem erfasst worden, sie und ihr Kind hätten den Unfall vermutlich nicht überlebt.

Die Anklage lautet auf Gefährdung der körperlichen Sicherheit des Kindes und Nötigung des Lebensgefährten. Zum ersten Anklagepunkt erfolgte ein Schuldspruch, vom zweiten wurde sie freigesprochen. Sie nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

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