So, 17. Dezember 2017

Mistkübel angezündet

23.08.2010 12:47

Vier Studenten nach sechs Wochen aus U-Haft entlassen

Am Montag sind vier Wiener Studenten nach sechswöchiger U-Haft vom Straflandesgericht auf freien Fuß gesetzt worden. Die drei Kunststudentinnen und ein männlicher Kommilitone sollen am 27. Juni 2010 vor einer Filiale des Arbeitsmarktservice (AMS) in Margareten zwei Mistkübel in Brand gesteckt haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Quartett wegen verbrecherischen Komplotts, Brandstiftung und Sachbeschädigung. "Die Verdächtigen wurden gegen das Gelöbnis enthaftet, keinen Versuch zu starten, die weiteren polizeilichen Ermittlungen zu behindern. Damit konnten die Haftgründe gegen gelindere Mittel subsumiert werden", gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn bekannt.

Weitere Hintergründe zu dem Fall siehe Infobox!

Behörden gehen von Brandanschlag aus
Im Zusammenhang mit der Festnahme der Studenten hatten Professoren und Studenten der Akademie der bildenden Künste in einem offenen Brief gegen das in ihren Augen unverhältnismäßige Vorgehen der Behörden protestiert. Die Polizei hätte bei den Hausdurchsuchungen "die betreffenden Wohnungen regelrecht verwüstet, Türen eingetreten, Arbeitsmaterialien auch von nicht beschuldigten Personen entwendet und beschlagnahmt", hieß es darin.

Für die Staatsanwaltschaft handelt es sich demgegenüber bei den Verdächtigen um gefährliche Aktivisten. Die Studenten sollen seit Mai 2010 vom Landesamt für Verfassungsschutz observiert worden sein. Die angezündeten Mistkübel werten die Behörden als versuchten Brandanschlag auf die AMS-Filiale, da ein Brandbeschleuniger verwendet wurde. Der Schaden der in Mitleidenschaft gezogenen Gebäudefassade wird mit bis zu 100.000 Euro beziffert.

Die Entscheidung des Gerichts, das Quartett vorerst auf freien Fuß zu setzen, ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft behielt sich dagegen Rechtsmittel vor.

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