Sa, 21. April 2018

Flucht aus Krankenhaus

06.02.2018 15:03

So spektakulär trickste Häftling Justizwache aus

Nach der spektakulären Flucht eines 43-jährigen Häftlings aus dem Krankenhaus Schärding in Oberösterreich steht fest: Der Verdächtige hätte anstatt einer kriminellen Karriere durchaus auch die eines Schauspielers einschlagen können. So konnte die "Krone" weitere Details rund um die filmreife Flucht des Serben in Erfahrung bringen.

Wie berichtet, saß der 43-Jährige wegen Betrugs in der Justizanstalt Suben ein, das vom Staat geplante Haftende wäre im Dezember 2019. Das wollte er offenbar vorziehen: Der Serbe inszenierte in der Nacht auf Samstag eine Rauferei mit seinen drei Zellenkollegen, wurde dabei verletzt. Das Trio gibt mittlerweile an, er habe sich die Verletzungen selbst zugefügt.

Am Samstag kam der Serbe jedenfalls in die Inquisitenabteilung des LKH Schärding, am Sonntag bekam er dort familiären Besuch. Sein Sohn (26) dürfte ihm dabei ein Handy übergeben haben, mit dem die Fluchtdetails ausgemacht wurden.

"Sterbeszene" war nur Ablenkungsmanöver
Am Montagnachmittag begann sich der Serbe im Spitalszimmer zu übergeben. So oft, dass es in dem Raum fürchterlich stank. Der mitleidige Justizbeamte kam daraufhin aus dem Nebenzimmer hinzu und öffnete das vergitterte Fenster, um frische Luft in das Krankenzimmer zu lassen. Genau das wollte der "kranke" Häftling aber erreichen. Er hüpfte um 14.40 Uhr vor dem nur 2,5 Meter entfernten Justizwachebeamten zuerst auf den Heizkörper, dann aufs Fenstersims und sprang dann aus dem zweiten Stockwerk etwa acht Meter in die Tiefe.

Unten wartete bereits der Sohn im Audi, gemeinsam brausten sie davon. Im 20 Kilometer entfernten Reichersberg stoppten Polizisten das Fluchtauto, doch es saß nur noch der Sohn drin. Der Vater war weg. Der familiäre Fluchthelfer wird nach Paragraf 300 Strafgesetzbuch - "Befreiung von Gefangenen" - angezeigt, der Strafrahmen beträgt bis zu zwei Jahre. Der übertölpelte Wachebeamte wird nicht bestraft, er handelte aus Mitleid.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung/krone.at

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