Mo, 19. Februar 2018

Langwierige Panne

24.09.2008 10:05

Urknall-Maschine steht bis zum Frühjahr still

Der größte Teilchenbeschleuniger der Welt muss wegen Reparaturarbeiten stillgelegt werden und kann erst im Frühjahr 2009 neu gestartet werden. Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) erklärte am Dienstagabend, der aufgetretene Schaden an der Forschungsmaschine sei komplizierter als zunächst angenommen. Ungewiss ist nun, ob die für den 21. Oktober geplante offizielle Einweihung des "Large Hadron Collider" (LHC) stattfinden kann.

Im milliardenteuren Anlage, in der der Urknall und damit die Entstehung des Weltalls nachgestellt werden soll, muss eine Betriebstemperatur von minus 271,3 Grad herrschen. Erst dann können Atomkerne nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und mit Magnetfeldern, die 100.000 Mal stärker sind als das irdische, auf eine Kreisbahn gezwungen werden.

Neustart erst im Frühjahr
Nun müsse der Schadenssektor erst einmal langsam erwärmt werden, damit die Ursache der Panne geklärt werden kann, teilte CERN mit. Die Untersuchungen nach dem hohen Verlust des zur Kühlung benötigten Heliums wiesen darauf hin, dass eine Starkstromleitung zwischen zwei Magneten die Störungsursache gewesen sei. Da die Magneten erst bei Raumtemperatur untersucht werden könnten, würden weitere drei bis vier Wochen vergehen.

Rechne man die gesamte benötigte Zeit auch für Inspektionen zusammen, könne der Neustart erst im frühen Frühjahr 2009 erfolgen. "Das dies unmittelbar nach dem sehr erfolgreichen Start des LHC am 10. September geschehen ist, bedeutet ohne Zweifel einen psychologischen Rückschlag", zitierte das CERN seinen Generaldirektor Robert Aymar.

"Anlaufschwierigkeiten möglich"
Das Zentrum verwies darauf, dass solche Teilchenbeschleuniger einzigartige Maschinen seien, die am äußersten Rand der Hochtechnologie gebaut würden. "Jeder ist ein eigener Prototyp, und Anlaufschwierigkeiten während der Startphase sind deshalb immer möglich." CERN könne auch bei der Lösung des Problems auf internationale Hilfe, etwa vom deutschen Forschungszentrum DESY, setzen.

Die Forschungsmaschine mit dem auf der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich unterirdisch gelegten 27 Kilometer langen Beschleunigerring war nach einer früheren Panne erst am vergangenen Freitag wieder in Betrieb gegangen. Dabei war erneut ein Strahl schneller Atomkerne durch den Ring geschickt worden, bis dann eine Verbindung durchschmorte. Auch Computerhacker waren in das Rechnernetz des Teilchenbeschleunigers eingedrungen. Ein Schaden war dabei nach Aussagen eines CERN-Sprechers nicht entstanden.

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