Wenn Studierende unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ auf die Straße gehen, geht es um Österreichs Zukunft. Für 2028 bis 2030 sind 16 Milliarden Euro für die Universitäten vorgesehen, obwohl laut Uni-Konferenz zwei Milliarden Euro fehlen, um die Teuerung abzufangen. Die Regierung spricht von einem stabilen Budget, die Rektoren warnen vor dem Abbau jeder zehnten Stelle. 16 Milliarden am Papier, zwei Milliarden zu wenig in der Realität – das ist Schönrechnen auf Kosten aller. Gleichzeitig berichtet die „Krone“ über hohe Gagen, Chauffeure und 361 PR-Mitarbeiter an den Universitäten. Da drängt sich die Frage auf: Wer verlangt Verzicht – und wer lebt weiter auf großem Fuß? Natürlich muss jeder Steuereuro sitzen. Doch bevor Hörsäle ausgedünnt und junge Forschende – vielleicht künftige Nobelpreisträger – vor die Tür gesetzt werden, gehören teure Strukturen und fragwürdige Privilegien auf den Prüfstand. Sparstift ja – aber nicht bei jenen, die in Österreichs Zukunft investieren. Besonders alarmierend ist die Lage an der Medizinischen Uni Wien: 200 ärztliche Stellen am AKH könnten gefährdet sein. Weniger Personal kann weniger Operationen, längere Wartezeiten und Druck auf andere Spitäler bedeuten. Was heute im Budget eingespart wird, könnte morgen den Patienten fehlen. Wer bei der Universitätsmedizin kürzt, riskiert, dass kranke Menschen die Rechnung zahlen. Universitäten müssen effizient wirtschaften. Doch wer Innovation, Spitzenforschung und Wettbewerbsfähigkeit predigt, darf nicht deren Grundlagen aushungern. Ein Land, das bei seinen Universitäten spart, spart an seinem eigenen Fortschritt. Milliarden kann man schönrechnen – die Folgen nicht: Sie fehlen morgen im Hörsaal, im Labor, am OP-Tisch und für Innovationen.
Alessandro Ferrari, Wien
Erschienen am Fr, 23.10.2026
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