Das freie Wort

Frankreich sollte uns eine Warnung sein

Nicht nur die Politik, sondern auch NGOs und vor allem die Kirche – sie alle predigten so viel Toleranz, dass sich irgendwann kaum noch jemand traute, offen auszusprechen: Wer hier lebt, hat kein Recht, genau so zu leben, wovor er angeblich geflohen ist.“ Dieser Kommentar zu einem Leserbrief mag provokant klingen, trifft aber einen wunden Punkt unserer Gesellschaft. Toleranz ist eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass Probleme verschwiegen und berechtigte Sorgen der Bevölkerung als fremdenfeindlich abgestempelt werden. Die Unruhen in Frankreich sollten uns deshalb zu denken geben. Natürlich lassen sich die dortigen Verhältnisse nicht eins zu eins auf Österreich übertragen. Aber wer glaubt, dass Wien oder andere österreichische Städte grundsätzlich vor ähnlichen Entwicklungen gefeit sind, macht es sich zu einfach. Deutschland und Österreich müssen sich endlich ehrlich fragen, ob ihre Migrations- und Integrationspolitik tatsächlich funktioniert. Es reicht nicht, von Vielfalt und Zusammenhalt zu sprechen, wenn Integration scheitert, Parallelgesellschaften entstehen und grundlegende Regeln des Zusammenlebens infrage gestellt werden. Wer bei uns Schutz und eine neue Heimat findet, soll faire Chancen bekommen. Gleichzeitig muss aber klar sein, dass unsere Gesetze, die Gleichberechtigung und die Grundwerte unserer Gesellschaft zu respektieren sind. Das ist keine Frage der Herkunft, sondern eine Frage des gegenseitigen Respekts. Eine offene Gesellschaft darf tolerant sein, aber sie darf nicht naiv werden. Wer Missstände anspricht, ist nicht automatisch fremdenfeindlich. Und wer Integration ernst nimmt, muss auch über Pflichten, Grenzen und Konsequenzen reden dürfen. Die entscheidende Frage lautet: Ziehen wir rechtzeitig Lehren aus den Erfahrungen Frankreichs, oder warten wir so lange, bis aus ungelösten Problemen ernsthafte gesellschaftliche Konflikte werden? Denn Toleranz darf niemals bedeuten, alles hinnehmen zu müssen. Und Menschlichkeit darf nicht dazu führen, die Sorgen der eigenen Bevölkerung zu ignorieren. Wer den gesellschaftlichen Frieden bewahren will, muss Probleme ansprechen, bevor sie eskalieren – nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Mike Payer, Neusiedl am See

Erschienen am Fr, 23.10.2026

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Weitere Leserbriefe
23.10.2026Datum auswählen
Frankreich sollte uns eine Warnung sein
Nicht nur die Politik, sondern auch NGOs und vor allem die Kirche – sie alle predigten so viel Toleranz, dass sich irgendwann kaum noch jemand ...
Mike Payer
Friede für die Ukraine?
Wieder einmal verkündet Präsident Trump, dass man einem Friedensdeal in der Ukraine sehr nahe sei. Zum wievielten Mal hören wir das und nichts ...
Martin Krämer
Gute Frage
Wenn ich manchmal gefragt werde, warum ich Leserbriefe schreibe, sind für mich zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen hilft es mir, Dinge, die mich ...
Reinhard Scheiblberger
Zeitumstellung
Die Umstellung auf Winterzeit sorgt einmal mehr für Diskussionen. In der Nacht von 24. auf den 25. Oktober werden die Uhren um eine Stunde auf die ...
Mag. Hans Rankl
„Zeit-Mangel“
Aus Mangel an wichtigeren Vorhaben (?) und weil wir in Europa anscheinend keine anderen Probleme haben, beschäftigen sich Beamte und Mandatare der ...
Florian Stadler
Demos in Europa
In vielen europäischen Ländern finden derzeit Demos gegen die geplanten Einsparungen im Bildungsbereich statt. Hauptakteure dieser Veranstaltungen ...
Ulrike Zivkovic-Lechner
Gutgläubigkeit ist Dummheit
Der Chef des Insolvenzfonds kassierte 30.000 Euro zu viel Gehalt und es gibt wegen Gutgläubigkeit keine Rückzahlung. Es stellte sich heraus, dass die ...
Robert Lehmann
Bildungs-Kahlschlag
Wenn Studierende unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ auf die Straße gehen, geht es um Österreichs Zukunft. Für 2028 bis 2030 sind 16 Milliarden Euro für ...
Alessandro Ferrari
Sparen an den Unis
Vielen Dank für Ihren sehr aufschlussreichen Bericht über die Gehälter und Zulagen bei Uniprofessoren. Die Rektoren und Dozenten, die am lautesten ...
Dr. Judith Dimmel
Alle müssen sparen
Überall wird gespart. Zuallererst traf es die Pensionisten und dann in weiterer Folge auch die Ärmsten im Lande, denn bekanntlich wurden auch bei den ...
Franz Köfel
LASK-Auferstehung!
„Die haben in der Champions League nichts verloren“, so die Aussagen einiger „Fußballexperten“ nach den ersten beiden Niederlagen des LASK. Nun ...
Karl Aichhorn
Preisschock bei Hobbys
Freizeit muss etwas kosten? Man denke einmal an frühere Zeiten: an Federballspielen im Garten, Tischtennis in der Garage, Schwimmen im See, Radfahren ...
Ingrid Ederer
Lehrstellenproblematik
Der überschaubare Lehrlingsmarkt ist ein Angebots- und Nachfrageproblem und ist bilateral zu lösen. Nachfrageseitig, weil immer mehr Unternehmen ...
Mag. Martin Behrens

Voriger Tag
23.10.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung