Das freie Wort

Europas Autoindustrie fährt gegen die Wand

Die beiden Artikel zur Lage der europäischen Autoindustrie vom 8. 2. lassen einen mit einem unguten Gefühl zurück. Nicht nur, weil sie zeigen, wie stark China uns inzwischen überholt hat – sondern weil immer deutlicher wird: Europa hat diese Entwicklung selbst verschuldet. Im Namen des Klimaschutzes wollte man in kürzester Zeit eine industrielle Revolution erzwingen. Verbrenner sollten verschwinden, Elektromobilität sofort dominieren – koste es, was es wolle. Dass viele Kunden diesen Weg nicht mitgehen konnten oder wollten, dass Infrastruktur fehlte, Strom teuer war und Fahrzeuge unbezahlbar wurden, wurde ignoriert. Ideologie ersetzte Realität. Während Europa sich mit Verboten, Fristen und moralischer Selbstüberhöhung beschäftigte, hat China geliefert. Dort wurde nicht diskutiert, sondern investiert. Batterien, Software, Vernetzung, autonomes Fahren – chinesische Hersteller sind heute besser, schneller und günstiger. Der Marktanteil deutscher Autos am chinesischen E-Auto-Markt liegt bei unter 5%. Das ist kein Betriebsunfall, das ist ein industrielles Desaster. Nun rudern Konzerne wie Stellantis zurück, stoppen E-Offensiven und setzen wieder auf Bewährtes. Das ist kein Fortschritt, sondern ein spätes Eingeständnis des Scheiterns. Und es wird nicht der letzte Rückzug bleiben. Ich fürchte, viele europäische Hersteller werden massive Einbußen erleiden – manche werden diese Transformation nicht überleben. Massenentlassungen, Werksschließungen und ein schleichender Bedeutungsverlust drohen einer Industrie, die jahrzehntelang globaler Innovationsmotor war. Europa wird oft vom „grünen Vorreiter“ sprechen. Doch Vorreiter ohne wettbewerbsfähige Industrie werden am Ende Verlierer sein. Klimaschutz ohne wirtschaftliche Stärke ist nicht nachhaltig – er zerstört Akzeptanz, Wohlstand und am Ende auch die politische Stabilität. Ich glaube nicht mehr, dass Europa in dieser Geschwindigkeit und mit diesem Kurs zu China aufschließen kann. Zu viele Fehler wurden gemacht, zu viel Zeit wurde verloren. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass wenigstens jetzt der Mut zur Ehrlichkeit aufkommt – bevor es endgültig zu spät ist.

Mike Payer, Neusiedl am See

Erschienen am Di, 10.2.2026

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