Der Anschlag auf den populären iranischen General Ghassem Soleimani ist natürlich nicht nur eine Präventivaktion zur Sicherheit amerikanischer Bürger und Einrichtungen. Er hatte vor allem auch stark politischen Charakter. Das ist leicht zu durchschauen. US-Präsident Donald Trump steht ein Amtsenthebungsverfahren bevor. Zudem beginnt für ihn der Vorwahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im Herbst. Also will er natürlich den außenpolitisch starken Mann geben und sich sicherheitstechnisch unentbehrlich machen. Der Verdacht liegt nahe, dass er sich in dieser Hinsicht auch mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu abgesprochen hat. Dieser befindet sich ebenfalls im Wahlkampf und will seinen Wählern zeigen, dass nur er die Sicherheit und das Überleben des Staates Israel gewährleisten kann. Das ist ein taktisches und sehr gefährliches Spiel, und die Brandgefahr im nahen Osten ist allgegenwärtig. Denn die Revanche der iranischen Regierung wird leider nicht ausbleiben. Sie wird sich auch nicht direkt gegen die USA richten, sondern in eine Stellvertreter-Auseinandersetzung münden. Und diese wird sich im Nahen Osten und Israel abspielen. So gesehen hat sich die Achse des Bösen wohl etwas verschoben.
Andreas Stemberger, St. Veit
Erschienen am Mi, 8.1.2020
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