Ausgebootet?

Stürmer Raul vermutlich nicht bei der EURO dabei

Fußball
16.04.2008 14:40
Es waren die Zecken, die der Fußball-Öffentlichkeit in Spanien die wahrscheinlichen Pläne von Teamchef Luis Aragones verrieten. Nachdem die UEFA den Teilnehmerländern zu einer FSME-Schutzimpfung geraten hatte, setzte der spanische Verband vorsorglich 31 Spieler auf eine Liste, die sich eine entsprechende Injektion verabreichen lassen sollen. Nicht dabei: Raul. Dies deutet darauf hin, dass der Real-Stürmerstar auch bei der EURO 2008 fehlen wird. Die Polemik darüber hielt sich in den spanischen Sportzeitungen in den vergangenen Tagen überraschenderweise in Grenzen. Dabei war die sich abzeichnende Ausbootung des 30-Jährigen in den vergangenen Monaten eines ihrer Lieblingsthemen gewesen.

Der 102-fache Internationale hatte zuletzt im September 2006 für Spanien gespielt. Seither war er nicht mehr in den Kader berufen worden. Raul ist mit 44 Treffern der Rekordtorschütze der "Seleccion". Vor rund sechs Wochen hatte es noch so ausgesehen, als hätten Aragones und Raul das Kriegsbeil begraben. Die beiden waren bereits bei der WM-Endrunde 2006 übers Kreuz gekommen.

Nach einem Treffen Ende Februar sagte Aragones aber: "Streitereien und Spekulationen nutzen niemandem und erst recht nicht im Nationalteam." Raul habe es auf dem Weg zur EM ebenso schwer wie die anderen 40 Spieler, die zum erweiterten Kreis des Nationalteams gehören, betonte der Trainer damals. Ob er zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz in den Kader zurückkehren werde, hänge allein von den Leistungen des langjährigen Kapitäns der "Seleccion" ab.

Kein Wort der Klage von Raul
Diese imponierten dem "Weisen von Hortaleza" (so der Spitzname von Aragones) offenbar wenig. Dabei liegt Raul in der Primera Division im Kampf um die Torschützen-Trophäe "Pichichi" mit 16 Treffern derzeit immerhin auf Platz drei. Der Real-Kapitän sagte zu, die Entscheidungen des Nationaltrainers ohne Klagen zu akzeptieren. "Das Team geht vor, egal ob ich bei der EM dabei sein werde oder nicht." Zum Umstand, dass er keine Zecken-Impfung verabreicht bekam, äußerte er sich nicht.

Die Indizien hatten sich aber ohnehin verdichtet. Nach dem kurzen Tauwetter des Februars litt Aragones offenbar schon vor dem Vorbereitungsspiel gegen Italien (1:0) in Elche Ende März wieder unter einer Raul-Phobie. Er berief ihn nicht ein. Warum? Das hatte der bald 70-Jährige schon vorher einmal während eines Trainings klar gemacht. Als er von einigen Fans für seine Haltung kritisiert wurde, machte er seinem Ruf als verbales Raubein alle Ehre. "Was wollt ihr? Raul hat an drei Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften teilgenommen. Und hat er irgendetwas gewonnen? Gar nichts!"

Vielleicht wird's doch noch was
Noch ist es nicht gesichert, dass Aragones auch bei Nennung des endgültigen 23-Mann-Kaders am 17. Mai auf Raul verzichten wird. Dennoch erscheint dies nach den jüngsten Entwicklungen sehr wahrscheinlich. Das spanische Team wird am 5. Juni sein Quartier in Neustift im Stubaital beziehen. Fünf Tage später steht in Innsbruck das Auftaktspiel gegen Russland auf dem Programm. Zuvor gibt es am 31. Mai noch ein Länderspiel gegen Peru im "Estadio Nuevo Colombino" in Huelva, zum Abschluss der Vorbereitung gastieren dann die USA im El-Sardinero-Stadion von Santander.

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