Weltcupfinale

Hannes Reichelt gewinnt Super-G in Bormio

Sport
14.03.2008 14:19
Ein Punkt hat den Kampf um die kleine Kristallkugel im Super-G-Weltcup der Herren zugunsten des ÖSV entschieden. Hannes Reichelt schnappte am Donnerstag beim Alpin-Finale in Bormio mit seinem Sieg Didier Cuche noch die Trophäe weg. Der Schweizer landete nur auf dem 16. Platz und blieb damit ohne Zähler.

"Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist." Ein von ÖSV-Trainern vielzitierter Spruch ist am Donnerstag Wirklichkeit geworden. Reichel, der vor dem finalen Rennen 99 Punkte hinter Cuche lag, holte sich mit einer Superfahrt auf der Stelvio noch den Pokal. Und hatte dabei Schweizer Schützenhilfe bekommen, denn Daniel Albrecht verdrängte trotz Funksprüchen, dass er bremsen möge, seinen Kollegen Cuche noch aus den Punkterängen.

Reichelt mit Tränen in den Augen
Der 27-jährige Reichelt durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. "Erst komme ich als Führender ins Ziel, dann musste ich warten, und dann musste ich auch immer wieder an die vergangenen Wochen denken", sagte der Trainingsgruppen-Kollege des in Kvitfjell so verhängnisvoll gestürzten Matthias Lanzinger mit Tränen in den Augen. "Wir werden immer für ihn da sein, auch wenn er nicht mehr Rennen fährt." Es sei für alle eine schwierige Zeit gewesen.

Der Kugelgewinn sei eine "unglaubliche Erlösung". Er persönlich habe in seiner Karriere auch schon harte Zeiten erlebt. "Aber es kommt im Leben alles zurück." Am Donnerstag habe einfach alles zusammengespielt. "Ich muss sicher allen ein Bier zahlen, die zwischen mir und Cuche reingefahren sind." 

So habe Benjamin Raich angekündigt, ihm zu helfen. Raich wurde Vierter und beendete den Disziplinweltcup an dritter Stelle. Das Rennen entschied Reichelt mit 1/100 Sekunde Vorsprung auf den Schweizer Didier Defago und 34/100 vor dem Slowenen Ales Gorza für sich.

Zoff bei den Schweizern
Dicke Luft herrschte im Lager der Eidgenossen. Nachdem Albrecht seinem Landsmann Cuche noch aus den Punkterängen gefahren hatte, wütete Cheftrainer Martin Rufener. "Der Dani hat den Funkspruch erhalten, dass er etwas zurückstecken soll. Plan B wäre gewesen, zu bremsen. Das hat er nicht gemacht. Manchmal muss man die eigenen Interessen für das Team zurückstecken." 

Wenige Minuten später, als Albrecht bei den Journalisten stand, entschuldige sich Rufener für seine erste Reaktion, sie sei aus der Emotion heraus passiert, man wolle das Ganze nun sachlich aufarbeiten.

Cuche: "Der Trottel bin ich selbst"
Albrecht rechtfertigte sich: "Ich glaube nicht, dass ich verantwortlich bin, dass Didier die Kugel nicht hat." Er habe erst drei Sekunden vor dem Start vom Funkspruch erfahren und sich dann nicht mehr umstellen können. Cuche hielt sich mit Vorwürfen zurück. "Es ist hart, ich bin zu dosiert gefahren. Der Trottel bin ich selbst und niemand anderer. Ich kann von niemandem verlangen, langsamer zu fahren. Ich verstehe es. Doch ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn er es getan hätte. Aber Skifahren ist ein Einzelsport." 

Fair verhielt sich Cuche gegenüber Reichelt, er gratulierte umgehend. "Davor muss man den Hut ziehen, ein klasse Bursch", merkte ÖSV-Cheftrainer Toni Giger an.

Das Ergebnis

1. Hannes Reichelt (AUT) 1:45,00 Minuten
2. Didier Defago (SUI) 1:45,01 +0,01 Sekunden
3. Ales Gorza (SLO) 1:45,34 +0,34
4. Benjamin Raich (AUT) 1:45,38 +0,38
5. Francois Bourque (CAN) 1:45,51 +0,51
6. Erik Guay (CAN) 1:45,55 +0,55
7. Werner Heel (ITA) 1:45,64 +0,64
8. Ivica Kostelic (CRO) 1:45,87 +0,87
9. Hermann Maier (AUT) 1:45,92 +0,92
10. Andrej Jerman (SLO) 1:45,97 +0,97
11. Daniel Albrecht (SUI) 1:46,00 +1,00
12. Bode Miller (USA) 1:46,01 +1,01
13. John Kucera (CAN) 1:46,18 +1,18
14. Marco Büchel (LIE) 1:46,30 +1,30
15. Christof Innerhofer (ITA) 1:46,31 +1,31
16. Didier Cuche (SUI) 1:46,44 +1,44
17. Rainer Schönfelder (AUT) 1:46,65 +1,65
18. Manfred Mölgg (ITA) 1:46,67 +1,67
19. Stephan Görgl (AUT) 1:47,62 +2,62
20. Ted Ligety (USA) 1:58,66 +13,66

Ausgeschieden: Christoph Gruber (AUT), Georg Streitberger (AUT), Michael Walchhofer (AUT), Ambrosi Hoffmann (SUI), Andreas Sander (GER), Patrick Staudacher (ITA), Robbie Dixon (CAN)

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