Fr, 20. Juli 2018

Zogaj-Abschiebung

22.10.2007 17:13

Arigonas Betreuer Friedl spricht von "Folter"

Pfarrer Josef Friedl (links im Bild), der die von der Abschiebung bedrohte 15-jährige Arigona Zogaj seit zwei Wochen betreut, hat sich am Montag zu Wort gemeldet und die Situation der jungen Kosovarin als "Folter" bezeichnet. Dass das Mädchen noch immer von seinen Geschwistern und dem Vater getrennt ist, sei "menschliche Grausamkeit", betonte der Geistliche aus Ungenach (Bezirk Vöcklabruck). Ende September war die Familie Zogaj teilweise abgeschoben worden, Arigona tauchte unter, ihre Mutter erlitt einen Nervenzusammenbruch.

Seit zwei Wochen kümmert sich Friedl um die 15-Jährige, seit knapp einer Woche geht sie wieder in die Schule. Das Mädchen werde durch den Alltag zwar abgelenkt, die Angst vor der Abschiebung sei aber nicht weg, betonte Friedl. Die Telefonate mit ihren kleinen Geschwistern im Kosovo seien für Arigona sehr bedrückend. Ihr älterer Bruder habe schon zehn Kilo abgenommen, ein anderes Kind sei krank, berichtete der Geistliche, der sich auch um die Mutter Sorgen macht: "Man wartet darauf, dass sie zusammenbricht und wieder in den Kosovo geht."

Pfarrer hilft bei der Wohnungssuche
Die Frau ist vorübergehend bei Verwandten untergebracht, Arigona verbringt die meiste Zeit bei ihr. Der Pfarrer hilft den beiden bei der Wohnungssuche. Das Haus in Frankenburg (Bezirk Vöcklabruck), in dem die Zogajs fünf Jahre gelebt haben, sei für zwei Personen zu groß und habe zudem keine Heizung, so Friedl. Man habe schon ein paar neue Unterkünfte in Aussicht. Dass sie und ihre Mutter woanders hinziehen, sei für Arigona nicht vorstellbar: "Sie möchte bei ihren Freundinnen bleiben."

Der Geistliche erinnerte daran, dass in Oberösterreich nicht nur Arigona und ihre Mutter, sondern rund 30 Familien von der Abschiebung bedroht seien. Er stehe in Kontakt mit Politikern, die ÖVP halte sich im Fall Zogaj aber "bedeckt", erklärte Friedl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.