Mo, 23. Juli 2018

Punktlandung

11.10.2007 13:35

Medal Of Honor - Airborne

Während sich das kommende „Call of Duty“ vom Weltkriegs-Szenario verabschiedet, bleibt Publisher Electronic Arts auch mit dem neuesten Streich der nunmehr seit acht Jahren bestehenden „Medal of Honor“-Serie der Geschichte treu: Als Teil der inzwischen legendären 82. US-Luftlandedivision gilt es abermals, den bösen Deutschen in die Schranken zu weisen.

Wer nun allerdings befürchtet, dass das Spiel seinen Lauf in der Normandie nimmt, wird glücklicherweise eines Besseren belehrt. In historisch korrekter chronologischer Reihenfolge geht es nämlich erst einmal nach Sizilien, bevor es dann auf das italienische Festland und schließlich nach einem Abstecher nach Frankreich ins holländische Ninwegen geht, wo die berühmte Brücke von Arnheim auf den Spieler wartet. Von dort ist es dann kein weiter Weg mehr nach Deutschland.

Um all diese Stationen jedoch abklappern zu können, muss sich der Spieler zu Beginn jeder Mission erst einmal stilecht aus dem Flugzeug stürzen – mit Fallschirm, versteht sich. Grüner Signalrauch weist dem Spieler nach dem Absprung den Weg in die sichere Zone. Und dort sollte man auch tunlichst landen, wenn man verhindern möchte, unmittelbar nach der Ankunft mit Feuersalven oder einem Gewehrkolben im Gesicht in Empfang genommen zu werden.

Wagemutige können aber auch, und das ist eine Neuerung bei „Medal of Honor – Airborne“, alle guten Ratschläge der Vorgesetzten in den Wind schlagen und sich im Anflug für ein anderes Ziel außerhalb des gesicherten Bereichs entscheiden. Jede Mission kann somit ganz individuell begonnen werden und dementsprechend auch einen anderen Verlauf nehmen. Eventuell lässt sich der Sieg mit einer gut platzierten Landung an einem strategisch wichtigen Ort sogar schneller davontragen.

Einmal sicher gelandet unterscheiden sich die Missionsziele nur unwesentlich von anderen Genre-Vertretern. Flaks müssen ausgeschaltet, Funk- und Radaranlagen zerstört, Munitionslager in die Luft gesprengt, Bunker geräumt, Scharfschützen erledigt und Panzer dem Erdboden gleichgemacht werden. Keine Innovationen an dieser Stelle, aber Krieg als innovativ zu bezeichnen, wäre wohl auch unangebracht.

Punkten kann das Spiel hingegen bei den Waffen. Zwar kann der Spieler auch hier nur auf die üblichen MGs, Gewehre, Pistolen und Granaten zurückgreifen, jedoch lassen sich diese – Treffsicherheit vorausgesetzt – mehrfach upgraden. Das MG bekommt nach einigen Treffern etwa ein größeres Magazin spendiert oder das Sniper-Gewehr lässt sich künftig auch als Granaten-Werfer nutzen. Alles in allem eine sinnvolle Funktion, um den Spieler auf der Jagd nach der ultimativ gepimpten Waffe langfristig zu motivieren. Schade ist nur, dass der Spieler keine Panzer oder andere Vehikel bedienen darf – aber wahrscheinlich war das Fallschirmjägern damals auch nicht gestattet.

In optischer Hinsicht macht „Medal of Honor - Airborne“ eine sehr gute Figur, wenngleich es nicht an die Referenz von „Gears of War“ oder ein „Bioshock“ heranreicht. Wer „Call of Duty 3“ jedoch mochte, wird auch hier nicht enttäuscht. Von römischen Ausgrabungsstellen oder Häuserkämpfen in zerbombten Städten über dunkle Bunker sowie von Schützengräben zerfurchte Landschaften bis hin zu Industrielandschaften wird alles geboten. Zu bemängeln ist dabei jedoch, dass sich die Umwelt leider nicht kurz und klein schießen lässt und daher insgesamt ein wenig statisch wirkt.

In Verbindung mit der orchestralen Musik aus der Feder von „Lost“-Komponist Michael Giacchino sowie einer überaus realistischen Soundkulisse und ordentlicher Synchronisation schafft das Spiel dennoch binnen kürzester Zeit eine fast schon cineastische Atmosphäre. Nur der Held selbst, Boyd Travers, bleibt dabei ein wenig farblos und hätte, eingebettet in eine richtige und zusammenhängende Geschichte, ruhig etwas mehr zum Vorschein kommen können.

Neben der - trotz anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad und sehr guter Gegner-KI - recht zügig durchspielbaren Singleplayer-Kampagne bietet „Airborne“ zu guter Letzt noch einen Multiplayer-Modus. Bis zu zwölf Spieler können in den Modi Deathmatch, Team-Deathmatch oder einer Capture-the-Flag-Variante auf verkleinerten Karten der Einzelspielerkampagne sowie einigen neuen Maps ihre Kräfte messen.

Fazit: „Medal of Honor – Airborne“ ist ein grundsolider Vertreter seines Genres, der das Rad keinesfalls neu erfindet. Mit der Möglichkeit, sich seinen Landepunkt selbst wählen zu können, und den diversen Waffenupgrades bringt das Spiel jedoch ein wenig frischen Wind in das inzwischen in die Jahre gekommene Genre. Grafik, Sound und KI bieten kaum Anlass zur Kritik, nur bei der Story und vor allem dem Spielumfang hätte es mehr sein können.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, PS3
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 81%


von Sebastian Räuchle

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