Wurz im Interview

“Trotz aller Probleme nie an mir gezweifelt”

Sport
25.07.2007 16:41
"Papa, komm, geh mit mir ins Wasser!" Die Kinderstimme im Hintergrund ist durchs Telefon deutlich zu hören. Alexander Wurz ist in Barcelona: Ein kurzer Strand-Urlaub mit Gattin Julia, Felix (5) und Charly (eineinhalb). Der "Krone" hat er jetzt verraten, warum er nie an sich gezweifelt hat, weshalb er sich im Qualifying oft wie ein Sandplatz-Spezialist auf Rasen fühlt und wie er auch als Familienvater mit dem Risiko Formel 1 leben kann.
Alex, wie haben die Buben zu Platz vier gratuliert?

"Der Charly bekommt das mit eineinhalb noch nicht richtig mit. Für den ist jeder Rennfahrer der Papa. Für Felix ist nur wichtig, dass ich vor den Ferraris bin. Er weiß, dass die richtig gut sind und kann dann sagen: Mein Papa ist sogar schneller als die Ferraris."

Ende September kommt der dritte Sohn: Kann man als werdender dreifacher Familienvater mit dem Risiko Formel 1 überhaupt leben?

"Wenn nicht, wär das schon beim ersten Kind der Fall gewesen, oder? Ich seh das mit dem Risiko nicht als großes Problem. Der Schumacher hat Kinder gehabt, viele andere auch: Wir sind ja kein Suizid-Kommando, wenn wir ins Auto steigen. Ich muss als Papa genauso an meine Grenzen gehen wie vorher. Aber mich hats auch schon oft genug wo reingesteckt, ich hab einige Unfälle erlebt: Das gehört eben zum Beruf, leider." 

Aufhören ist also für dich auch mit 33 kein Thema? 

"Ich hab jedenfalls keinen Stress damit. Aber es liegt halt nicht nur an mir." 

Deine Position bei Williams muss ja gefestigt sein: 13 Punkte, WM-Neunter, klar vor deinem Teamkollegen Nico Rosberg. 

"Natürlich ist das wichtig für die interne Stellung. Aber die war ohnehin immer bestens: Weil ich sehr gut zur Denkweise des Teams passe. Viel ist auf die Ingenieure aufgebaut, die Chemie zwischen mir und ihnen passt perfekt. Deshalb hat man mich auch unter Vertrag genommen." 

Die Erfolge müssen auch eine persönliche Genugtuung sein: Wegen der Qualifying-Niederlagen gegen Rosberg gab es ja schon wieder erste Wurz-Witze... 

"Erstens bekomme ich das im Ausland nicht mit. Zweitens ist mir längst klar: Als Sportler wirst schnell als Held verehrt, aber meistens noch viel schneller zum Versager abgestempelt." 

Warum klappt es im Qualifying aber wirklich nicht so? 

"Der Fahrstil vom Nico passt perfekt für eine schnelle Runde. Man muss sich das vorstellen wie im Tennis: Ein Spieler, der auf Sandplatz richtig heiß ist und plötzlich auf Hardcourt oder Rasen spielen muss. So ist das bei mir im Qualifying, das weiß ich." 

Du hast deshalb trotz der Serien-Niederlagen im Training nie an dir gezweifelt? 

"Nein. Ich wusste immer, woran es liegt, außerdem war ich sehr oft sehr knapp dran. Und meine Rennen waren sowieso immer stark. Am Ende zählen ohnehin nur die: Da hat irgendein Training dann nicht mehr die geringste Bedeutung!" 

Peter Frauneder, Kronen Zeitung

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