21.08.2007 11:58 |

Zieh, Schurke!

Call of Juarez

Sattelt die Pferde, schnallt euch den Patronengürtel um und gebt eurem Pferd die Sporen: Mit "Call of Juarez" schickt Ubisoft PC- und Xbox360-Besitzer nämlich in den Wilden Westen, wo es vor schießwütigen Banditen und wilden Indianern nur so wimmelt. High Noon im Wohnzimmer.

Zur falschen Zeit am falschen Ort - so lässt sich das Schicksal von Billy am besten beschreiben. Als der junge Mexikaner nach vielen Jahren wieder auf die Farm seines Stiefvaters zurückkehrt, findet er ein Massaker vor. Scheune und Farm stehen in Flammen, die Leichen von Stiefvater und Mutter liegen im Hof. Genau in diesem Moment taucht auch Ray auf, einst gefürchteter Revolverheld, nun Priester und Bruder des ermordeten Stiefvaters. Für ihn ist die Situation klar: Billy ist für das grausame Blutbad verantwortlich. Ein Spiel zwischen Jäger und Gejagtem beginnt.

Der Spieler schlüpft nun abwechselnd in die Rollen der beiden Protagonisten, deren Spielweise sich grundlegend voneinander unterscheidet. Haudegen Billy ist noch recht munter auf den Beinen und kann sich daher behände mit seiner Peitsche über Abhänge schwingen oder sich an Felsvorsprüngen hochziehen. Zudem versteht er sich mit seinem Bogen auf das lautlose Töten und kann sich unsichtbar in Büschen verstecken, was ihm in seinen vielen Schleich-Missionen zu Gute kommt.

Reverend Ray, der mit der Bibel in der einen und mit dem Colt in der anderen Hand predigt, ist hingegen eher der Mann fürs Grobe. Im Auftrag des Herrn greift er bei seiner göttlichen Mission - Rache für seinen ermordeten Bruder zu üben - gerne auf todbringendes Blei zurück. Ob Schnellfeuerrevolver, Winchester, Schrotflinte oder explosives Dynamit: Ray versteht sein Handwerk. Allerdings hat er schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel und kann sich daher nicht verstecken oder an Felsvorsprüngen hochziehen. Mit ein paar aufeinandergestapelten Kisten kommt aber auch Ray oftmals hoch hinaus.

So unterschiedlich die Charaktere, so unterschiedlich auch die zu bewältigenden Missionen. Während Billy meist kriechend und schleichend Umwege in Kauf nehmen muss, um etwa ungesehen ein Pferd plus dazugehörigen Sattel vom Gehöft eines schießwütigen Farmers zu stehlen, geht Ray schnurstracks durch die Mitte. Sam Fisher versus Serious Sam.

Kleine Rätsel - wo finde ich einen Baumstamm, um über den Canyon zu gelangen? -, unter Zeitdruck zu absolvierende Abschnitte und die direkte Konfrontation mit dem Schurken am Ende eines Levels in Form eines Duells sorgen für zusätzliche Abwechslung. Allzu leicht wird es dem Spieler dabei übrigens nicht gemacht, denn dank ausgezeichneter KI suchen Banditen und Indianer nicht nur ausreichend Deckung, sondern wagen auch den einen oder anderen Ausfall über die Flanke.

Ebenso spannend wie das Missions-Design sind auch die größtenteils offenen Landschaften, die die Entwickler von Techland mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt haben: Ob staubige Prärie, dunkle Goldmine oder dreckiger Saloon - hier wird wirklich jedes Western-Klischee bedient. Unterlegt wird das Szenario mit typischen Gitarren-Klängen, die für echte Lagerfeuer-Atmosphäre sorgen, und einer guten, wenn auch manchmal eher nüchternen Sprachausgabe. Aber so war das nun mal, damals im Wilden Westen: staubig trocken und hart.

Hat man die umfangreiche Singleplayer-Kampagne abgeschlossen und vielleicht auch schon das eine oder andere freigeschaltete Duell erfolgreich absolviert, bietet der Multiplayer-Modus zusätzlichen Spaß. Neben klassischen Modi wie Deathmatch oder Team Deathmatch können bis zu 16 Spieler via Xbox Live oder System Link in einer Vielzahl unterschiedlicher Modi ihr Können unter Beweis stellen. In "Raubüberfall" gilt es etwa eine Bank zu überfallen, während die andere Hälfte der Spieler ebendies zu verhindern versucht. Im "Goldfieber"-Modus gewinnt hingegen, wer am schnellsten am meisten Kohle scheffelt.

Eine wirkliche Besonderheit sind aber die "berühmten Ereignisse", in denen der Spieler an der Seite von Jesse James oder Billy the Kid Jagd auf Postkutschen, Züge und Co. machen kann.

Fazit: Ob mit Billy oder Ray, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes, mit Pfeil und Bogen oder zwei Schießeisen in der Hand: "Call of Juarez" packt den Spieler von der ersten Minute an und zieht ihn mit dichter Western-Atmosphäre mitten ins Geschehen. Eine hervorragende Grafik, gelungene KI, Spitzen-Sound und vor allem das abwechslunsgreiche Gameplay dürften nicht nur Möchtegern-John-Waynes auf lange Zeit begeistern.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 91%

von Sebastian Räuchle

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