11.07.2007 17:11 |

Lässig in den Tod

Beine hoch kann tödlich sein

Die Fahrt in den Urlaub kann lang und anstrengend sein. Lockerer Gurt, hoch gelagerte Beine am Armaturenbrett, schlafende Kinder im Kindersitz - Lässigkeit im Fahrzeug kann zum tödlichen Verhängnis werden. Der ÖAMTC hat zwei Pkw, besetzt mit zwei Erwachsenen- und zwei Kinderdummies, einem Vergleichstest unterzogen: Einmal waren die Dummies korrekt und einmal fehlerhaft gesichert. "Wie dramatisch sich Fehler bei der Sicherung auswirken können, zeigte sich dann im Crashlabor, als es mit 64 km/h so richtig knallte", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang.

"Die Überlebenschancen der Insassen beider Crashtests unterscheiden sich gewaltig." Im mangelhaft gesicherten Fahrzeug vertraute der Fahrer auf die Wirkung des Airbags und verzichtete auf den Gurt. Der Beifahrer war zwar angeschnallt, legte aber die Beine aufs Armaturenbrett, sodass die Füße direkt auf dem Airbag lagen. Im Fond wurde ein Dummy in einer Babyschale transportiert, bei der - wie häufig in der Praxis zu beobachten ist - die Becken- und Schultergurte vertauscht waren. Beim zweiten Kind simulierten die Tester, dass es eingeschlafen und seitlich aus dem Schultergurt herausgerutscht war.  

Lässigkeit wird zur Todesfalle
Im Crashtest nimmt das Drama seinen Lauf. Der Kopf des unangegurteten Lenkers verfehlt beim Aufprall den Airbag und schlägt hart an das Dach und gegen die Frontscheibe. "Der Airbag allein kann keinen Schutz bieten", sagt Lang. Ähnlich beeinträchtigt ist die Schutzwirkung beim Beifahrer: "Da sich der Airbag wegen der aufgesetzten Füße nicht korrekt öffnen kann, sprengt er in Sekundenbruchteilen das Handschuhfach und presst die Beine und Füße des Beifahrers mit voller Wucht gegen die Frontscheibe", erklärt der ÖAMTC-Cheftechniker. Ein Fuß bohrt sich durch das Glas. Der Beckengurt rutscht, unterstützt durch die flache Lehnenstellung, hoch und schneidet sich tief in den Bauch. "Die hohen Belastungen sind ein Beleg für schwerste Verletzungen."  

Auch dem Dummy in der falsch gesicherten Babyschale geht es nicht gut. "Die Videoanalyse zeigt, wie die Babyschale völlig unkontrolliert aus dem Fahrzeug geschleudert wird. Das stellt in der Realität ein unabschätzbares Risiko dar." Beim eingeschlafenen Kind im Kindersitz fehlt der seitliche Halt der Rückenlehne. Im Crash dreht sich das Kind aus dem Gurt. Der Schultergurt kann den Oberkörper nicht zurückhalten, daher wird die ganze Last über den Beckengurt auf die inneren Organe in der Bauchgegend übertragen. "Das kann in der Praxis schwerste innere Verletzungen zur Folge haben und lässt Schlimmeres befürchten."

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