29 Unfälle jährlich

Im Bindermichl-Tunnel kracht es zu oft

175 Millionen Euro kostete der Linzer A 7-Bindermichl-Tunnel - nun stehen die Autos vor dem Mega-Bau viel zu oft im Mega-Stau: 2006 zählte die Polizei 29 Unfälle mit Personenschaden, Sachschäden dürften es doppelt so viele sein. Jedes Mal müssen Pendler mit viel Geduld für eine Irrfahrt durch den Betonberg büßen.

Auch Dienstag früh schepperte es wieder im Tunnel, drei niederösterreichische Studentinnen waren mit ihrem Pkw von hinten gegen einen Lkw gekracht: Eine Dreiviertelstunde lang stand auf der A 7 Richtung Norden alles still, der Rückstau reichte bis zur A 1. „Das war leider keine Ausnahme, sondern vielmehr Alltag“, weiß Helmut Weilguni, Chefinspektor des Linzer Unfallkommandos. Zwei Drittel der 29 Unfälle passierten aufgrund von Fahrstreifenwechseln, ein Drittel waren Auffahrunfälle. Am öftesten scheppert es im Tunnel, die Einhausung ist verhältnismäßig sicher. Warum in der riesigen Betonschüssel am Bindermichl etwa fünfzig Mal im Jahr Blechsalat „serviert“ wird, ist umstritten. Polizist Weilguni erklärt: „Es ist alles gut beschildert, wenn man sich aber falsch eingeordnet hat, ist ein Wechseln des Fahrstreifen schwierig.“

 Ihn ärgert die Disziplinlosigkeit vieler Lenker. Weil verirrte Autofahrer die Sperrlinien ignorieren und riskant wechseln, kann sich Weilguni Trennwände vorstellen: „Eine bessere Beleuchtung und eine Temporeduzierung auf 60 km/h würden ebenfalls helfen.“ Autobahnmeister Alois Lüftinger gesteht sogar: „Während wir die Baustelle hatten, ging es besser als jetzt. Die Leute mussten langsamer fahren, waren besser überwacht.“ Die A 7 sei als ehemalige Stadtstraße mit täglich 100.000 Autos völlig überlastet und deshalb die unfallträchtigste Autobahn Österreichs.

Lüftinger hofft auf die Verkehrsbeeinflussungsanlage der Asfinag, die im Februar endlich aktiviert werden soll. Ob sie auch wirklich kommt, ist offen.

Foto: Chris Koller

Samstag, 19. Juni 2021
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