Di, 23. April 2019
19.12.2017 20:15

Verblüffende Zahlen

So viel Energie frisst das globale Porno-Streaming

Porno-Streaming könnte schlechter für die Umwelt sein, als man denkt. Berechnungen aus den USA gehen davon aus, dass die Porno-Website "Pornhub" im Jahr 5,96 Gigawattstunden Energie verbraucht. Zum Vergleich: So viel Energie verbrauchen 11.000 Glühbirnen, wenn man sie ein ganzes Jahr eingeschaltet lassen würde. Und dabei ist Pornhub nur eine von vielen großen Gratis-Pornoseiten.

Update: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der "Pornhub"-Stromverbrauch durch einen mathematischen Fauxpas unsererseits zu hoch angegeben: Statt 5,96 Terawattstunden muss die Schätzung auf 5,96 Gigawattstunden lauten. Damit ist der zuvor gezogene Vergleich mit der Stromproduktion eines Atomkraftwerks übertrieben. Wir entschuldigen uns für den Fehler.

Prinzipiell ist Streaming ja eine umweltschonende Sache. Statt DVDs zu pressen, sie in Hüllen zu verpacken, um den halben Globus zu verschiffen und dann in hell erleuchteten Einkaufszentren zu verkaufen, kommen Videos auf Abruf über das Internet. Das spart gegenüber dem physischen Verkauf 40 Prozent der Kohlendioxidemissionen ein, rechnet das Nachrichtenportal "The Atlantic" vor. Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime sind also umweltschonender als DVD-Käufe.

Porno-Streaming explodiert, Strombedarf auch
Es gibt allerdings eine Ausnahme von dieser Regel: die Porno-Branche. Zwar ist Streaming prinzipiell auch hier ressourcenschonender als der Verkauf physischer Datenträger. Doch Gratis-Pornos im Internet haben im vergangenen Jahrzehnt eine erstaunliche Dynamik entwickelt, der Konsum ist enorm angestiegen. Adam Grayson, Finanzchef beim Produzenten Evil Angel, spricht von einer "großen Pilzwolke der Porno-Explosion", die seit 2008 zu beobachten sei. Der Insider geht von einem Wachstum von 7000 Prozent gegenüber der DVD-Ära aus.

Die Ursache für die rasant steigende Porno-Nutzung und den damit einhergehenden Stromhunger sieht die Soziologin und Porno-Gegnerin Gail Dines in den neuen Gegebenheiten im Web. Pornos seien leistbar, leicht zugänglich und anonym. "Und je anonymer, leistbarer und zugänglicher man Pornos macht, umso mehr stachelt man die Nachfrage an", sagt Dines. Die Smartphone-Revolution befeuere diesen Trend nur noch weiter.

Genaue Zahlen sind in der Pornobranche ein gut gehütetes Geheimnis, nur der Platzhirsch Pornhub lässt sich in die Karten schauen. Das Portal veröffentlicht seit vier Jahren statistische Auswertungen der Pornhub-Nutzung: 2013 hatte die Website 14,7 Milliarden Aufrufe, 2016 waren es schon 23 Milliarden Aufrufe, bei denen die Nutzer insgesamt 4,59 Milliarden Stunden Videomaterial ansahen. Mithilfe dieser Daten lässt sich der Energieverbrauch schätzen.

Pornhub braucht so viel wie 11.000 Glühbirnen
Nathan Ensmenger, Wissenschaftler an Universität Indiana, hat es ausgerechnet: Bei einem Verbrauch von 0,0013 Kilowattstunden Strom pro Stunde Video-Streaming, wie ihn der Video-on-Demand-Platzhirsch Netflix 2015 für seinen Dienst bestätigt hat, braucht allein Pornhub im Jahr fast sechs Gigawattstunden Strom. Zum Vergleich: Das entspricht 11.000 Glühbirnen, die ein ganzes Jahr eingeschaltet bleiben. Und das ist nur eine der großen Gratis-Pornowebsites.

Natürlich zahlen nicht die Nutzer der Gratis-Pornoseiten diese Stromrechnung. Das übernimmt die Werbeindustrie, über die sich solche Gratis-Dienste finanzieren. Das ändert aber nichts daran, dass der Strom und die kostspielige Hardware, die für den Betrieb solcher Dienste nötig sind, produziert werden müssen. "Mit digitalen Gütern ist es einfach, die Kosten anderen Orten oder Akteuren zuzuschreiben und dann zu glauben, sie seien weniger schädlich für die Umwelt. Das ist aber einfach nicht gerechtfertigt", sagt Ensmenger.

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