So, 20. Jänner 2019

Amputation entgangen

04.11.2017 09:45

Bein fast verloren: Das Drama um Santi Cazorla

Santi Cazorla hat seit seiner Achilles-Verletzung vor einem Jahr bei einem völlig ungefährdeten 6:0-Sieg Arsenals gegen Ludogorets Razgrad kein einziges Spiel mehr bestritten. Dafür hat er acht Operationen hinter sich. Der spanischen Sporttageszeitung "Marca" hat er jetzt nach langer Zeit ein Interview gegeben.

Bis zu seiner Verletzung war der Sohn eines Minenarbeiters aus Lugo der Beste in Arsenals Saison (Zitat Arsene Wenger), nach seinem Verschwinden aus dem Kader redete niemand mehr über ihn. Ja, Fußball ist ein brutaler Sport, auch in diesem Sinne. Santi Cazorla war vor fünf Jahren bei Malaga, in der Überraschungsmannschaft von Manuel Pellegrini, gemeinsam mit Isco der umjubelte Star der Andalusier. Im Gegensatz zu Isco war er nicht mehr der Jüngste, seine Leistungen auf dem Flügel und seine gefürchteten Freistöße brachten ihn aber in die spanische Nationalmannschaft, zweimal zum EM-Titel, und ins Blickfeld von Premier-League-Coach Arsene Wenger.

Und bei Arsenal enttäuschte er auch nicht. In der Premier League wurde er nach Theo Walcott der zweitbeste Arsenal-Torschütze (12 Treffer). Doch dann kam der 10. September 2013, ein Freundschaftsspiel in Genf gegen Chile. Minute 67: Foul von Arturo Vidal von hinten. Es ist die Achillessehne, die schmerzt, doch Cazorla steht auf und will auch den drauffolgenden Freistoß gleich schießen. Während des Spieles ist es so, als ob er in einem Trance-Zustand wäre. Er wirbelt weiter im Angriff, zieht die Verteidigung auseinander, Spanien gleicht aus (Endstand 2:2). Es sieht aus, als ob alles in Ordnung sein würde, doch es ist der Anfang des langen Leidensweges von Santi Cazorla.

Nie ohne Schmerzen
Die Ärzte diagnostizieren bei ihm einen Knochenriss, von da an muss der Spanier lernen, mit dem Schmerz zusammenzuleben. "Am Anfang vertrug ich die Schmerzen viel besser" - erzählte er der spanischen Sporttageszeitung "Marca". "Wenn mein Fuß aufgewärmt war, konnte ich durchspielen, sobald ich mich abgekühlt habe, sind mir die Tränen gekommen."

Er spielt weiter, trotz der Umstände. Doch die Verletzungen verfolgen ihn schon seit den Anfängen in London, Achillessehne, Knie, Rücken, Knöchel und dann wieder die Achillessehne, Santi Cazorla will trotzdem unbedingt weiterspielen. Er tut das auch, lässt sein Knie operieren, merkt aber, dass der Knöchel immer noch weh tut. Trotzdem versucht er die Rückkehr in die Spitzenklasse, er will unbedingt Schlüsselspieler in Nordlondon werden.

"Soll froh sein, wenn er noch im Garten mit seinem Sohn spazieren kann"
Der rechte Knöchel macht aber nicht mehr mit. Das Spiel gegen Ludogorets ist bis dato sein letztes. Die Wunde auf dem Achilles öffnet sich immer wieder, achtmal lässt er sie operieren, also immer wieder zusammennähen. Mit 32 Jahren musste er sich vor einigen Monaten von den britischen Ärzten anhören, "er soll froh sein, wenn er mit seinem Sohn noch im Garten spazieren kann." Der 165 cm-messende Stürmer ist aber nicht kleinzukriegen.

Er reist nach Spanien, nach Vitoria. Der Spezialist Dr. Mikel Sanchez empfängt ihn. Dr. Sanchez greift zu seinem Kopf, als er die abermals offene Wunde sieht. Was er sagt, kann sich der Arsenal-Crack nicht mal in seinen kühnsten Träumen ausmalen: der Fuß muss natürlich noch einmal operiert werden, aber noch wichtiger: Der Knöchel von Cazorla ist von einem aggressiven Bakterium angegriffen, 8 cm seiner Achillessehne fraß es schon weg, zudem ein Teil des Knochens. Als Fachmann weiß er, Cazorla droht die Amputation seines rechten Beines.

Diagnose: Bakterielle Infektion
Nach der Diagnose geht es aber schnell bergauf, es werden bei Cazorla drei Bakterien identifiziert, eines von ihnen ist zu so einer Infektion fähig, stellt der Doktor fest. Nachdem das Bakterium mit Antibiotika gestoppt werden kann, rückt die bedrohende Amputation in weite Ferne. Wir schreiben Mai 2017: Endlich kann die achte Operation stattfinden. Dabei wird die Armhaut auf den Knöchel des Spaniers genäht. Unverkennbar. Die Armtätowierung, der Name seiner Tochter, wechselt den Platz und ziert fortan den Fuß. Ein Knochenödem erschwert die Genesung, doch schön langsam weichen die Schmerzen aus dem viel geplagten Bein von Santi Cazorla.

Seitdem er seinen Arzt in Spanien getroffen hat, lebt er wieder in seiner Heimat nahe des Krankenhauses von Salamanca. Arsenal steht zu ihm, verlängert seinen Vertrag. Die Physiotherapie beginnt zu wirken. Vor einem Monat geht er wieder laufen im Stadion namens Helmantico. Sein Bruder Nando sieht ihn und beginnt zu weinen. Santi Cazorla weint keine einzige Träne.

Weihnachtswunsch: 2018 wieder auf dem Feld sein
Santi Cazorla hat sich zum Ziel gesetzt, 2018 wieder zurückzukehren. Er kann zumindest wieder trainieren. Mit eisernem Willen. Zu Weihnachten will er wieder spielen. Es wäre ein echtes Weihnachtswunder.

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