07.10.2017 13:04 |

Wechsel im ÖFB:

Ruttensteiner geht, Schöttel neuer Sportdirektor

Willi Ruttensteiner ist nicht mehr länger Sportdirektor des ÖFB! Wie der Verband Samstagmittag bekannnt gab (siehe Video), übernimmt Rapid-Legende Peter Schöttel das Amt am 10. Oktober. Schöttel wurde auch mit der Suche nach einem neuen Nationaltrainer beauftragt. Der Nachfolger Marcel Koller soll bis 30. Oktober gefunden werden und könnte bereits bei einem geplanten Lehrgang samt Testspiel am 14. November debütieren.

Hierarchisch ist der Sportdirektor dem Teamchef künftig nicht mehr übergeordnet. "Er wird daneben stehen. Es hat sich herausgestellt, dass es nicht gut ist, wenn man in Hoch-Zeiten den Chef spielt und wenn es nicht gut geht untrennbar mit dem Teamchef verbunden ist", erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner, der auch dem scheidenden Ruttensteiner seinen Dank aussprach. Der Oberösterreicher war seit 2001 als ÖFB-Sportdirektor tätig. In einer Zweier-Abstimmung im ÖFB-Präsidium zog Ruttensteiner nach einem Hearing am Samstagvormittag aber den Kürzeren. Über das Abstimmungsergebnis machte Windtner keine Angaben.

Ruttensteiner hatte Differenzen mit einigen Landeschefs
Ruttensteiner hatte auf der Sitzung laut Windtner eine "profunde und gute Analyse" der sportlichen Talfahrt der vergangenen Monate abgeliefert. Manche darin angesprochene Sachverhalte seien jedoch "mit Zeitverzögerung gekommen", bedauerte der Verbandschef. Das war aber wohl nicht der entscheidende Grund für die Ablöse des seit 18 Jahren amtierenden Ruttensteiner. Vielmehr ging es auch um persönliche Differenzen zwischen dem streitbaren Oberösterreicher und so manchem Landeschef. "Es ist kein Geheimnis, dass er fachlich beschlagen ist. Aber das Kommunikations-Thema ist nicht immer zur Zufriedenheit aller erfolgt, das hat sicher den Ausschlag gegeben", sagte Windtner.

Video: Highlights vom 3:2-Sieg gegen Serbien!

Windtner erwartet sich von Schöttel einen "Neustart"
Vom ehemaligen Rapid-Rekordspieler Schöttel erwartet sich Windtner nach eigenen Angaben einen "Neustart". Schöttel wird laut dem 67-Jährigen künftig ein "Supervisor" sein. "Er muss nicht permanent bei der Nationalmannschaft sein." Außerdem ist für Schöttel - im Gegensatz zu Ruttensteiner - nicht der Posten als oberster ÖFB-Trainerausbildner vorgesehen. Ein eigener A-Team-Manager, wie es ihn in Deutschland mit Oliver Bierhoff noch gibt, sei ebenso nicht infrage gekommen wie eine Variante mit Ruttensteiner in einer weniger verantwortungsvollen Rolle im ÖFB.

Sportdirektor: Ausländische Kandidaten nicht finanzierbar
Bei der Kandidatensuche habe man sich auch außerhalb Österreichs umgesehen. "Aber bei Ausländern ist es an den finanziellen Vorstellungen gescheitert", erklärte Windtner. So fiel die Wahl auf Schöttel, der zugab, noch kein detailliertes Konzept zu haben. "Das war rein zeitlich nicht möglich", sagte der 63-fache Teamspieler. Windtner sieht darin kein gravierendes Problem, zumal man dank Ruttensteiner über einen "Fundus an Konzepten" verfüge. Außerdem meinte der Verbandschef: "Wenn einer gerade vom Spielfeld der U19 kommt, ist es klar, dass er noch nicht mit vielen Konzepten aufwarten kann. Die Frage ist, wem traut man es zu, den Fußball mit seinen Konzepten nach vorne zu bringen."

Schöttel: "Habe den Fußball aus allen Perspektiven kennengelernt"
Für Schöttel trifft dies offenbar zu, sonst hätte ihn Windtner nicht vor eineinhalb Wochen kontaktiert. "Ich habe vor zehn Tagen den Anruf des Präsidenten bekommen, ob ich Interesse am Sportdirektor-Posten habe, falls Ruttensteiner nicht bleibt", erzählte Schöttel. Danach habe er sein Interesse daran bekundet, weil es sich dabei um eine "enorme Verantwortung" handle. Der künftige Sportdirektor fühlt sich für seine neue Aufgabe gerüstet. "Ich glaube schon, dass ich geeignet dafür bin. Ich habe den Fußball aus allen Perspektiven kennengelernt", sagte der 50-Jährige, der auf Bundesliga-Ebene Spieler, Trainer und Sportdirektor war und zeitweise auch im Medienbereich arbeitete.

Die vorgesehene Strukturänderung mit deutlich weniger Kompetenzen im A-Team-Bereich kommen Schöttel nach eigenen Angaben entgegen. "Ich habe großes Interesse an vielen anderen Themen", sagte der Wiener und gab erste Einblicke in seine Vorhaben: "Der österreichische Fußball soll den nächsten Schritt machen, die Entwicklungen der Zeit mitgehen, in allen Bereichen weiterkommen. Wir wollen weiterhin gut ausbilden, aber mehr im athletischen Bereich arbeiten."

Schöttel: "Wüsste nicht, mit wem ich verhabert bin"
Als Rückkehr der Freunderlwirtschaft im ÖFB will Schöttel seine Bestellung nicht verstanden wissen. "Ich wüsste nicht, mit wem ich verhabert bin. Die meisten Landespräsidenten habe ich erst heute kennengelernt. Wieso glauben wir, dass in Österreich alle verhabert sind und in anderen Ländern nicht, oder dass wir mit Österreichern keine Struktur zusammenbringen?", fragte der zweifache WM-Teilnehmer. Außerdem appellierte Schöttel an den Einheitsgedanken innerhalb des ÖFB. "Wir sollten aufeinander zugehen und wieder alle an einem Strang ziehen", sagte der Wiener und ergänzte: "Ich sehe mich als Bindeglied. Die letzten Tage haben gezeigt, dass es mehr Kommunikation in den verschiedenen Bereichen des ÖFB braucht."

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