08.04.2017 10:25 |

Raketen auf Syrien

Politexperte: "Trump hat Putin bloßgestellt"

Der US-Luftangriff auf die syrische Militärbasis Al-Shayrat mit 59-Tomahawk-Raketen hat nach Einschätzung des Politikwissenschafters Gerhard Mangott Russlands Präsident Wladimir Putin "bloßgestellt". Moskau hätte die US-Raketen mit seinen dort stationierten Abwehrraketen abfangen können, sagte der Russland-Experte am Freitagabend. Der Verzicht darauf habe gezeigt, dass es in Syrien militärisch nicht dominiere.

"Nachdem Assad Russland vorgeführt hat, hat Trump Russland vorgeführt", sagte Mangott beim "Runden Tisch" des ORF mit Blick auf den Giftgasangriff am Dienstag und die US-Militäraktion am Donnerstag.

Trump nimmt offene Konfrontation mit Putin in Kauf
Der Chemiewaffeneinsatz durch das Assad-Regime sei "eine große politische Katastrophe" gewesen, weil er gezeigt habe, "dass Russland Assad nicht im Griff hat". Moskau sei nämlich eine Art Garantiemacht dafür gewesen, dass der syrische Machthaber seine Chemiewaffen abgibt. Der US-Militärschlag kam für viele Experten überraschend, hatte es doch den Anschein, als wolle sich Trump in Sachen Weltpolitik nicht groß einmischen. Nun aber nimmt er die offene Konfrontation in Kauf - vor allem mit Putin.

"Russland nicht in der Lage, westliche Intervention abzuschrecken"
Auf dem von den USA angegriffenen syrischen Luftwaffenstützpunkt sei Russland mit Abwehrraketen präsent gewesen, die in der Lage gewesen wären, zumindest einen Teil der US-Marschflugkörper abzufangen. "Russland hat es nicht getan, weil es zu einer direkten Konfrontation geführt hätte", sagte Mangott. Damit habe Moskau aber auch gezeigt, dass es "nicht in der Lage oder nicht bereit ist, durch seine Präsenz eine westliche Intervention abzuschrecken". Aus diesem Grund sei in Russland die Empörung über den US-Angriff so groß, nicht wegen seiner Völkerrechtswidrigkeit, sondern "weil Russland bloßgestellt wurde, diesen Konflikt militärisch nicht zu dominieren".

Putin verurteilt US-Angriff auf Syrien
Als Reaktion auf den Giftgas-Einsatz des syrischen Militärs am Dienstag mit mehr als 80 Toten hatte Trump in der Nacht auf Freitag einen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern in dem Bürgerkriegsland angreifen lassen. Das löste eine Krise mit Russland aus. Putin verurteilte als Angriff auf die Souveränität Syriens. Assad nannte den Einsatz "rücksichtslos und unverantwortlich". US-Außenminister Rex Tillerson bezeichnete die russische Reaktion am Freitag als "sehr enttäuschend" und kritisierte, dass Moskau weiterhin die Regierung Assad unterstütze, "ein Regime, das solche schrecklichen Angriffe auf sein eigenes Volk ausführt". Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte: "Dieser Schritt Washingtons fügt den russisch-amerikanischen Beziehungen, die sich ohnehin schon in einem elenden Zustand befinden, einen signifikanten Schaden zu."

Video: USA greifen syrische Luftwaffenbasis an

Unterschiedliche Aussagen über Opferzahlen
Das US-Militär geht davon aus, dass sich bis zu 100 russische Militärangehörige auf der syrischen Militärbasis befanden. Das Pentagon hatte Moskau im Voraus über den Angriff informiert. Die syrische Armee hatte erklärt, es seien sechs Menschen zu Tode gekommen, die USA wollten dies bisher nicht bestätigen. Al-Shayrat liegt in der zentralsyrischen Provinz Homs. Der Gouverneur der Provinz hatte erklärt, der angegriffene Flugplatz sei stark zerstört worden. Aus syrischen Militärkreisen hieß es, zwölf Kampfjets und Hubschrauber, Treibstofflager sowie zwei Start- und Landebahnen seien getroffen worden. Laut dem Pentagon wurden 20 Maschinen zerstört. Das Luftabwehrsystem sei zudem außer Gefecht gesetzt und Hangars entweder zerstört oder beschädigt worden.

USA schließen weitere Angriffe gegen Assad-Regime nicht aus
Unterdessen schlossen die USA weitere Militärschläge in Syrien nicht aus. "Wir sind darauf vorbereitet, mehr zu unternehmen, aber wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird", sagte die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley. Der syrische Präsident Bashar al-Assad dürfe nie wieder chemische Waffen einsetzen.

Trump erntet internationales Lob für US-Angriff
International gab es viel Zuspruch für den US-Angriff. "Die USA demonstrieren mit den Luftschlägen die Entschlossenheit, die es angesichts der barbarischen chemischen Angriffe braucht", schrieb etwa EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande betonten, dass Assad die "alleinige Verantwortung für diese Entwicklung" trage. Es handle sich um "eine Antwort auf ein Kriegsverbrechen", meinte der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) äußerte Verständnis für die Absicht, einen weiteren Chemiewaffen-Einsatz zu verhindern, fügte aber hinzu, dass der Syrien-Konflikt nicht militärisch gelöst werden könne.

Clinton erinnert Trump an seinen Einreisestopp für "syrische Babys"
Nur die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton warf Trump Scheinheiligkeit im Syrien-Konflikt vor. Man könne nicht "in einem Atemzug vom Schutz syrischer Babys sprechen und im nächsten die Tore Amerikas für sie verschließen", sagte Clinton am Freitag laut Medienberichten im texanischen Houston in Anspielung auf Trumps Einreisestopp. Der US-Präsident hatte den Luftangriff auf die syrische Militärbasis Al-Shayrat mit den "wunderschönen Babys" begründet, die durch den jüngsten Giftgasangriff des Assad-Regimes ums Leben gekommen seien.

Clinton äußerte die Hoffnung, dass Trumps Regierung nach dem Luftangriff eine "breitere Strategie" zur Beendigung des Bürgerkriegs verfolgen werde, die "im Einklang mit unseren Werten" stehe. "Und ich hoffe auch, dass sie erkennen werden, dass wir nicht in einem Atemzug vom Schutz syrischer Babys sprechen können und im nächsten die Tore Amerikas für sie verschließen können."

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