Mo, 18. Juni 2018

Sport im Schnee

06.12.2016 16:23

"Steep": Langeweile am Tiroler Idiotenhügel

Die Vorstellung, in "Steep" über verschneite Pisten in pittoresker Umgebung zu wedeln, erschien durchaus reizvoll. Leider ist die Landschaft noch das Spannendste, womit Ubisofts Wintersport-Game wirklich punkten kann.

Zugegeben: "Steep" und ich hatten einen schlechten Start. Noch vor dem ersten Spieleinstieg war ich genervt davon, dass der Titel eine Internetverbindung und die Anmeldung mit einem Ubisoft-Konto voraussetzt. Spätestens in ein paar Jahren, wenn die Server abgeschaltet werden, ist es mit dem Schnee-Spaß also vorbei. Warum man die offene Spielwelt nicht auch offline zur Verfügung stellen kann, bleibt ein Rätsel...

Erst einmal online und "drinnen", setzte mir das Tutorial zu. Lang und breit werden die vier zur Verfügung stehenden Disziplinen - Snowboard, Ski, Wingsuit, Gleitschirm - vorgestellt, und zwar von irgendeiner Stimme in meinem Ohr, die ununterbrochen aufgeregt etwas von Reputation, Challenges und der Wichtigkeit viraler Videos auf YouTube faselt. Dabei wollte ich einfach nur die Stille und Schönheit der Berge genießen.

Als ich dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, auf mich selbst gestellt bin und die offene Spielwelt erobern kann, die Ernüchterung: Der Großteil der alpinen Regionen bleibt einem Rookie wie mir vorerst verschlossen. Erst mit entsprechender Erfahrungsstufe können Matterhorn, Mont Blanc oder auch die (fiktiven) Verfluchten Berge in Angriff genommen werden. Dabei läge doch genau darin die Stärke des Titels - eben dass ich mich ohne jegliches Risiko virtuell von jedem Gipfel stürzen kann, und zwar, wann und wo ich es will.

Stattdessen geht es zunächst auf die Tiroler Idiotenhügel. Die sind zwar auch wunderschön anzusehen, können aber letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es "Steep" vor allem an einer Sache fehlt: einem wirklich langfristigen Motivationsanreiz, sich die Pisten hinabzustürzen. So verliert die beliebige Aneinanderreihung der diversen Events jedoch schnell ihren Reiz - da helfen auch die steigende Reputation als oberkrasser Extremsportler sowie Dutzende freischaltbare Outfits nur wenig.

Ein weiteres Manko: "Steep" setzt im Gegensatz zu vergleichbaren Titeln wie "SSX" oder "Amped" eher auf Realismus, wodurch die Action allerdings nicht selten auf der Strecke bleibt. Geschwindigkeits- und Adrenalinrausch bleiben aus, zumal die Steuerung nicht minder träge ist.

Nicht in Abrede stellen kann man "Steep" jedoch die starke Online-Komponente. Jede Abfahrt lässt sich mittels weniger Klicks zum Nachfahren mit anderen teilen oder in eine Herausforderung verwandeln, die dann möglichst schnell oder stunt- und trickreich gemeistert werden muss. Das Videorohmaterial wird praktischerweise gleich mitgeliefert, sodass sich die besten Abfahrten mit wenig Aufwand actionreich aus den verschiedensten Perspektiven in Szene setzen lassen können. Wer möchte, kann sich darüber hinaus unkompliziert mit anderen Fahrern auf der Piste zu Grüppchen zusammenschließen und dem Wettbewerb untereinander frönen.

Fazit: Tiefschnee, soweit das Auge reicht, "bezuckerte" Baumwipfel, einsam gelegene Almhütten und romantisch-kitschiges Alpenglühen: "Steep" macht einem den Winter in optischer Hinsicht mehr als schmackhaft. Spielerisch fehlt es dem Open-World-Titel - insbesondere für Einzelspieler - jedoch an Tiefgang und Abwechslung, um Gamer langfristig bei Laune zu halten und zu motivieren.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 6/10

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