Mi, 19. September 2018

Verrückte Komödie

12.10.2016 14:04

Jeder Furz hat seinen Zweck: "Swiss Army Man"

Sich das Leben zu nehmen ist nicht leicht. Für Hank, einsam auf einer Insel gestrandet, scheint es aber der letzte Ausweg - bis Manny in sein Leben tritt. In "Swiss Army Man" (Kinostart: 14. Oktober) begegnet man "Harry Potter"-Star Daniel Radcliffe als stets furzende Leiche mit allerlei Fähigkeiten. Nicht nur deshalb ist der Streifen von Daniel Scheinert und Dan Kwan eine etwas andere Buddy-Komödie.

Für das Vorhaben, Radcliffe mit Paul Dano ("Love & Mercy") als Hank in ein Robinson-Crusoe-Szenario zu stecken, bei dem einer der anfangs ungleichen Partner nicht mehr am Leben ist, gab es beim diesjährigen Sundance Filmfestival den Preis für die beste Regie. Scheinert und Kwan, die sich für ihr Werk als "Daniels" kombinieren, schaffen es, ihre absurde Ausgangssituation sukzessive in eine gefühlvolle Abhandlung über den Sinn des Lebens, die Bedeutung von Freundschaft und Liebe sowie das Recht auf Außenseitertum gleiten zu lassen.

Wie es dazu kam, dass Hank auf der Insel den Kopf in die Schlinge legen will, wird nur kurz angerissen. Vor dem letzten Schritt entdeckt er am Strand einen reglosen Körper. Die Freude über Gesellschaft währt aber nicht lange, denn der junge Mann ist offensichtlich tot - bewegt nur von den Gasen, die sein Innerstes verlassen und Hank letztlich auch von seinem Vorhaben abbringen. Er erkennt schließlich, dass mehr in dem Anzug steckt als anzunehmen ist. Ganz selbstverständlich verlässt er auf dem Toten wie einen Jetski fahrend die Einöde...

Es ist nur eine von vielen noch anstehenden Verwendungen von Manny, der nicht nur wie ein Schweizer Taschenmesser ziemlich viel drauf hat - von der Wasserquelle über das Feuermachen bis zur Tierjagd -, sondern bald auch sehr gesprächig ist und Hank seinen Namen verrät. Das war's dann aber auch schon, denn sonst weiß er so gar nichts mehr über die Zeit vor seinem Tod. "Was ist Zuhause, was ist das Leben?", fragt er mit leerem Blick. Und bald finden sich die zwei Freunde in Gesprächen über Sex und Liebe wieder, erörtern Masturbation und warum man dabei normalerweise nicht an die eigene Mutter denkt, oder spielen Schattentheater.

Der Weg zurück in die reale Welt ist aber kein kurzer und mit vielen Gefahren versehen. Dennoch sind es die mit viel Musik und verträumter Lichtgebung inszenierten Zwischensequenzen, die hier im Vordergrund stehen. Hank und Manny bauen sich ihr eigenes kleines Universum, ganz nah am echten, aber eben nicht so schwierig und enttäuschend. Denn die Gesellschaft, und das wird am Ende schließlich klar, hat für Traumtänzer nur selten ein offenes Ohr...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.