So, 20. Jänner 2019

Reals Ausnahmekönner

02.10.2016 08:13

Wales-Aushängeschild Bale ohne große Star-Allüren

Der Aufschwung von Österreichs kommendem Gegner in der WM-Qualifikation ist untrennbar mit einem Namen verbunden. Ohne Gareth Bale wäre der Vorstoß in die Top-10 der Weltrangliste, die erstmalige Teilnahme an einer EM und der Semifinal-Einzug bei der EURO 2016 für die Nationalmannschaft von Wales wohl nicht möglich gewesen.

Der Real-Madrid-Legionär gilt als Herzstück der Truppe von Teamchef Chris Coleman - der 27-Jährige ist nicht nur Torgarant, sondern auch Führungsspieler, an dem sich die ganze Mannschaft aufrichten kann. "Seine fußballerischen Fähigkeiten und seine Gewinner-Mentalität sind einmalig. Er kann praktisch alles, und er wird immer noch besser", sagt Coleman über seinen Star-Spieler.

Bales außergewöhnliches Talent blieb schon seinem Turnlehrer nicht verborgen, der für den Waliser eigene Regeln aufstellte. Weil der Linksfuß seinen Klassenkameraden dermaßen überlegen war, durfte er den Ball nur mit seinem schwächeren rechten Fuß berühren. Doch nicht nur im Fußball ragte Bale an der Whitchurch High School von Cardiff heraus - die 100 Meter lief er schon als 14-Jähriger in 11,4 Sekunden.

Durchbruch bei Tottenham
Zu diesem Zeitpunkt war Bale längst in der Nachwuchsabteilung von Southampton engagiert. Die "Saints" engagierten den Flügelspieler bereits als Achtjährigen und verkauften ihn zehn Jahre später um über acht Millionen Euro an Tottenham.

Bei seinem Wechsel zu den "Spurs" galt Bale als einer der vielversprechendsten Kicker auf der Insel, zumal er auch als jüngster walisischer Teamspieler (Debüt mit 16 Jahren und 315 Tagen gegen Trinidad & Tobago im damaligen Schwarzenegger-Stadion von Graz) und als jüngster walisischer Team-Torschütze (erstes Tor mit 17 Jahren und 83 Tagen) nach London kam.

Bei Tottenham hatte er allerdings massive Startschwierigkeiten. Bale wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und stellte zu allem Überdruss auch noch einen Negativ-Rekord auf. In seinen ersten 24 Premier-League-Einsätzen blieben die Londoner ohne Sieg.

Erst als er von der Position des Linksverteidigers auf den linken Flügel wechselte, ging es steil bergauf: Bale wurde dank seiner Schnelligkeit, starker Physis und guter Technik zu einem der gefürchtetsten Offensivspieler der Liga, was schließlich Real Madrid auf den Plan rief.

Wechsel für Weltrekordsumme
Die "Königlichen" holten Bale im Sommer 2013 um die damalige Weltrekordsumme von 100 Millionen Euro. Damit war sein neuer Clubkollege Cristiano Ronaldo den Status als teuerster Fußballer der Welt los, was wohl zu einer gewissen Rivalität beitrug, die bis heute zwischen den beiden Top-Stars herrscht. So kann es schon vorkommen, dass Ronaldo mit Bale über die Ausführung eines Freistoßes streitet oder über ein Tor des Walisers nicht gerade ausgelassen jubelt.

Und doch hat Ronaldo seinem Sturm-Partner einiges zu verdanken. In seinen ersten vier Jahren bei Real reichte es gerade einmal zu einem Meistertitel und einem Cupsieg. Mit Bale hingegen brachte es der Portugiese in drei Jahren auf Triumphe im Cup, europäischen Supercup, bei der Club-WM und vor allem auf zwei Gewinne der Champions League (2014, 2016).

In den beiden "Königsklasse"-Finalspielen enttäuschte Ronaldo, während Bale das Um und Auf in Reals Offensivspiel war. Vielleicht auch deshalb - vor allem aber wegen der abwärts zeigenden Formkurve des ehemaligen Weltfußballers - kommt es bei Real offenbar zu einer Zeitenwende.

27-Jähriger könnte demnächst Ronaldo in Real-Hierarchie überholen
Laut spanischen Medienberichten will Präsident Florentino Perez den Vertrag von Bale vorzeitig verlängern und auf das Niveau des Kontrakts von Ronaldo anheben, der jährlich vom Verein knapp 20 Millionen Euro kassiert. Demnach soll Bale bewusst als neues Aushängeschild des Clubs aufgebaut werden, weil der viereinhalb Jahre ältere "CR7" seinen Zenit überschritten habe.

Mit Bale als neuer Nummer eins in der Hierarchie der "Galaktischen" werden die spanischen Boulevard-Blätter wenig Grund zur Freude haben. Der 62-fache Teamspieler (24 Tore) lebt seit vielen Jahren mit seiner Jugendliebe Emma zusammen, das Paar hat zwei Töchter. Der Familienvater bleibt lieber daheim, anstatt sich auf Partys blicken zu lassen. "Ich gehe nicht aus, sondern spiele lieber auf der Playstation oder sitze vorm Fernseher - was normale Menschen eben so tun", sagte Bale.

Verzicht auf Alkohol und Tätowierungen
Der Verzicht auf nächtliche Feierlichkeiten geht einher mit Bales genereller Ablehnung von alkoholischen Getränken. "Früher habe ich zu speziellen Anlässen hin und wieder Alkohol gekostet, aber er hat mir einfach nicht geschmeckt. Deshalb habe ich es gleich ganz bleiben lassen."

Tätowierungen lehnt Bale ebenfalls ab - und zwar aus Angst vor einem Donnerwetter seines Vaters. Möglicherweise spielt der 27-Jährige auch nur seinem Erzeuger zuliebe für Wales, denn aufgrund seiner englischen Großmutter hätte er sich auch für Englands Verband entscheiden können. "Aber das ist nie zur Debatte gestanden, ich bin ein stolzer Waliser. Außerdem würde ich mich dann nicht mehr nach Hause trauen", betonte Bale.

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