09.09.2016 16:12 |

RTR-Chef warnt

Roaming-Aus: Droht Umverteilung von Arm zu Reich?

Der Chef der Telekommunikations-Regulierungsbehörde RTR, Johannes Gungl, warnt davor, dass das Aus für die Roaminggebühren zu einer Umverteilung von Arm zu Reich führen könnte. Dann nämlich, wenn sich das Inlandstelefonat für die alleinstehende Mutter verteuert, damit die Reichen am spanischen Nobelort Marbella günstiger telefonieren können.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings ein anderes Bild: Obwohl die Mobilfunkbetreiber vor günstigeren Roamingtarifen mit damit verbundenen höheren Inlandstarifen immer warnten, kennen die Durchschnittsumsätze pro Kunden in den Bilanzen nur eine Richtung - nämlich nach unten.

Drohen kleinen Anbietern Probleme?
Eng werden könnte es für die kleineren Mobilfunkanbieter, die kein eigenes Netz haben, wie etwa HOT des Diskonters Hofer. Sollten sich ihre Netzmieten nicht verbilligen, schmälere dies die Margen bei Auslandstelefonaten. Und genau diese sogenannten virtuellen Mobilfunkanbieter hätten für Wettbewerb im Markt gesorgt, warnt der RTR-Chef.

Außerdem gibt Gungl zu bedenken, dass in dem Tourismusland Österreich die Mobilfunker von Roaming besonders profitieren. Und dadurch würde mehr Geld für den Breitbandausbau zur Verfügung stehen, so Gungl.

Höhere Erträge landen oft bei Aktionären
Wobei höhere Erträge nicht unbedingt nur der Infrastruktur zugutekommen müssen. So hat die Telekom Austria im Juli die Dividende von 5 auf 20 Cent erhöht. Die Deutsche Telekom, Mutter von T-Mobile Austria, erhöhte zuletzt die Ausschüttung an die Aktionäre von 5 auf 55 Cent je Aktie.

In ungewohnter Einheit haben sich heute FPÖ und Grüne für ein Ende des Roaming ausgesprochen. "Solange es Roaming gibt, werden die Menschen sich nicht daheim fühlen, wenn sie in Europa reisen", so der Grüne Europaabgeordnete Michel Reimon. Die FPÖ-Europaabgeordnete Barbara Kappel betonte: "Die Roaming-Gebühren müssen wie vereinbart ab Juli 2017 gänzlich fallen, damit Handynutzer im Ausland ohne Zusatzgebühren telefonieren und im Internet surfen können."

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