15.08.2006 15:15 |

"Ehrenmord"

Pakistanischer Vater tötet seine 20-jährige Tochter

Ein "Ehrenmord" in einer islamischen Familie erschüttert Italien: Um die Familienehre zu retten, wurde die 20-jährige Pakistanierin Hina Saleem in der Nähe von Brescia von ihrem eigenen Vater sowie weiteren Verwandten getötet. Wie italienische Medien am Montag berichteten, hatte sich die junge Frau geweigert, nach Pakistan zurückzukehren und dort einen Cousin zu heiraten. Darauf hätten die Angehörigen ihr die Kehle durchgeschnitten und die Leiche im Garten des Hauses vergraben.

Das Verbrechen weckt Erinnerungen an den "Ehrenmord" im vergangenen Jahr in Berlin in Deutschland: Dort hatte ein junger Türke seine Schwester im Namen der Familienehre erschossen.

Italienischer Freund wurde ihr zum Verhängnis
Der 56-jährige Vater, der zunächst nach der Tat gemeinsam mit weiteren Tatverdächtigen geflüchtet sei, stellte sich am Montag der Polizei, berichtete das italienische Fernsehen. Italienische Zeitungen berichteten in breiter Aufmachung über den Tod der Frau. Einzige "Schuld" von Hina Saleem sei es gewesen, dass es einen westlichen Lebensstil pflegte und einen jungen Italiener zum Freund hatte.

Männliche Verwandte planten Mord schon seit einem Monat
"Sie wurde vom Clan zu Tode verurteilt", titelte "La Repubblica" (Rom). Vermutlich habe der "Familienrat" bereits vor einem Monat den Tod der Frau beschlossen. Die Männer hätten aber gewartet, bis die Mutter und die anderen Frauen in die Ferien gereist seien. "Der Vater gab vor, dass die Tochter nach Pakistan reisen würde", hieß es.

"Zwischen Minirock und Schleier", schrieb eine andere Zeitung zu den Problemen junger Musliminnen in der westlichen Gesellschaft. Das junge Mädchen habe ein Doppelleben geführt: So habe es als Kellnerin in einer Pizzeria gearbeitet und dort Jeans und Röcke getragen, zu Hause musste es aber ganz nach der Tradition leben.