18.10.2015 08:10 |

Nach Messerattacke

Kölner Bürgermeisterkandidatin außer Lebensgefahr

Die parteilose Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Köln, Henriette Reker, ist bei einem Messerangriff schwer verletzt worden. Am Samstagvormittag kurz nach 9 Uhr sei ein Mann an einem Informationsstand der CDU auf einem Wochenmarkt mit einem Messer auf Reker und vier weitere Menschen losgegangen, sagte ein Polizeisprecher. Reker und ein weiteres Opfer seien schwer verletzt worden, auch die anderen drei Angegriffenen seien in ärztlicher Behandlung. Nach einer Notoperation ist die Politikerin mittlerweile außer Lebensgefahr.

Der 44-jährige Täter aus Köln, der laut Polizei seit Jahren arbeitslos ist und Hartz-IV-Gelder bezieht, fügte der 58-jährigen Oberbürgermeister-Kandidatin mit einem sogenannten Bowiemesser einen "Messerstich im Halsbereich" zu, wie Ermittlungsleiter Norbert Wagner am Nachmittag sagte. Reker, die nach dem Vorfall ansprechbar gewesen sei, wurde in ein Kölner Krankenhaus gebracht und dort notoperiert.

Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" wurde Reker von einer 20 Zentimeter langen Klinge am Hals getroffen und an der Luftröhre verletzt. Vor dem Angriff habe der Mann laut "Rheinischer Post" gerufen: "Ich rette Messias. Das ist alles falsch, was hier läuft! Ich befreie euch von solchen Leuten." Nach der Attacke sei der Täter ganz ruhig stehen geblieben und habe gesagt: "Ich musste es tun. Ich schütze euch alle."

Innenminister: "Anzeichen für politisch motivierte Tat"
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sprach am Nachmittag von "ersten Anzeichen für eine politisch motivierte Tat". Der Mann, der auf Augenzeugen einen verwirrten Eindruck gemacht habe, sagte laut Medienberichten, seine Tat wegen der deutschen Flüchtlingspolitik begangen zu haben. Die Ermittlungen der Kölner Polizei und des Landeskriminalamtes laufen mit Hochdruck, auch der Verfassungsschutz des Landes ist eingebunden.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Messerattacke als "unfassbare, abscheuliche Tat". "Gedanken sind bei den Verletzten", schrieb der Minister auf Twitter. Rekers SPD-Gegenkandidat bei der Oberbürgermeisterwahl, Jochen Ott, teilte am Vormittag mit, er habe sofort seinen Wahlkampf unterbrochen, bis er weitere Informationen über Rekers Gesundheitszustand habe. "Ich bin zutiefst bestürzt und drücke ihr von Herzen die Daumen", schrieb er auf Facebook. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) reagierte schockiert auf das Attentat: "Das ist ein Angriff auf uns alle", so Kraft auf Twitter. "Hoffe und bange mit den Verletzten."

Parteilose Reker von CDU, Grünen und FDP unterstützt
Reker, derzeit Sozialdezernentin in Köln, gehört zu den aussichtsreichsten Kandidaten bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag. Die parteilose Politikerin wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt. Die Wahl soll trotz des Angriffs wie geplant stattfinden, teilte die Stadtverwaltung am Samstagnachmittag mit.

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