Große Pensionsserie

Teil 1: Können wir’s uns leisten, länger zu leben?

Wirtschaft
21.04.2015 13:59
Die aktuelle Diskussion über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems trifft uns alle: Denn jeder will wissen, wie viel Geld er im Ruhestand bekommt.

Es ist eine einfache Rechnung: Die Lebenserwartung steigt pro Jahr um 109 Tage bei Männern und um 80 Tage bei Frauen. In den letzten 35 Jahren hat sich das durchschnittliche Lebensalter um zwölf Jahre erhöht, das Pensionsantrittsalter hingegen kaum.

(Bild: "Krone")

Daher wird die Bezugsdauer einer Pension immer länger. Die Folge ist, dass der jährliche staatliche Zuschuss aus Steuergeldern zu den gesetzlichen Pensionen mittlerweile die Summe von 20 Milliarden Euro überschritten hat und weiter zunehmen wird. Davon entfällt der größere Teil auf die Beamten, weil sie viel höhere Pensionen haben und es keinen Arbeitgeberanteil gibt.

(Bild: "Krone")

Die politische Diskussion zu dem Thema ist festgefahren: Die SPÖ und Sozialminister Rudolf Hundstorfer betonen, dass das Ziel der Regierung, das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bis 2017 auf 60,1 Jahre zu heben, erreicht wird. Und die Kosten für die Beamtenpensionen würden langfristig sinken, weil es viel weniger Pragmatisierungen gibt und die Vertragsbediensteten im öffentlichen Dienst künftig auch nur mehr ASVG-Pensionen kriegen. Nur "bei den 55- bis 64-Jährigen muss die Beschäftigungsquote steigen" (Hundstorfer).

ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling weist darauf hin, dass die Ausgaben für das Pensionssystem in nächster Zeit jedes Jahr um eine Milliarde höher sind als geplant. Daher müsse "nachgebessert" werden. Auf der letzten Regierungsklausur einigte man sich darauf, dass bis Februar 2016 "evaluiert" werden soll, ob eine weitere Reform notwendig sei.

"Die Pensionen sind nicht nachhaltig gesichert"
Experten sehen das anders. "Trotz unzähliger Reformen sind die Pensionen nicht nachhaltig gesichert, es wäre Zeit zum Handeln", fordert Ulrich Schuh von Eco Austria. Er ist genauso wie Bernd Marin der Ansicht, dass die bescheidenen Ziele, die sich die Regierung bei ihrem Amtsantritt gestellt hat, durch die Realität längst überholt sind. Lagen wir beim Pensionsantritt im Jahr 2000 noch 1,5 Jahre hinter dem Schnitt der Industrieländer (OECD) zurück, "so sind es heute 4,5 Jahre. Das Ziel läuft uns schneller davon", so Marin.

Man müsste rascher das tatsächliche Pensionsantrittsalter (derzeit im Schnitt bei 59) an das gesetzliche (derzeit noch 65 Männer, 60 Frauen) anpassen. "Wenn man das Antrittsalter um ein Jahr erhöht, brächte das rund 1,4 Milliarden Euro", rechnet Schuh vor. Das sei aber schwierig. Marin: "Es ist leider ein ehernes Gesetz, dass jeder bei uns so früh wie möglich in den Ruhestand geht - und das viel zu früh viel zu leicht gemacht wird." Auch die Anpassung des Pensionsalters Frauen/Männer, die in Österreich stufenweise ab 2014 beginnt, würden die Experten vorziehen. Doch dazu später mehr.

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