Der vorletzte Tanz der Graz99ers in der Champions League hatte kein gutes Ende. Gegen das finnische Topteam SaiPa verloren die Steirer vor 1800 Zuschauern (darunter auch einige Finnen!) zuhause mit 1:3. Dem Eishockey-Meister fehlten erneut zahlreiche Spieler. Auch deshalb zauberte die Lacroix-Truppe kurzfristig einen neuen Stürmer aus dem Hut...
„Eishockey bedeutet alles für mich“, strahlte Leevi Hertz auf der Tribüne in der Grazer Eishalle. Mit rund 20 finnischen Fans war der „Vizepräsident“ des Fanklubs „Stadin Keltamustat“, den Gelb-Schwarzen aus Helsinki, extra nach Graz angereist, um dem Hockeyklub ihres Herzens in der Champions Hockey League gegen die 99ers die Daumen zu drücken.
Per Flieger von Helsinki nach Wien, weiter mit dem Zug nach Graz. „Wenn es geht, sind wir immer mit dabei“, grinst Leevi, der seit über zehn Jahren seinem Klub fest die Daumen drückt. „Egal ob es gut oder schlecht geht, SaiPa ist immer für mich da.“ Und er für SaiPa.
Das gegen Graz freilich Klasse zeigte. Mit vielen jungen und talentierten finnischen Spielern – gegen die 99ers, die einmal mehr in dieser Saison von Verletzungen und Krankheiten geplagt waren. Und mehr oder weniger aus dem letzten Loch pfiffen. Marcus Vela musste aufgrund eines Todesfalls in der Familie heimfliegen, fehlte damit ebenso wie Maxime Lagacé, Nico Brunner, Kevin Roy, Tim Harnisch, Lenz Moosbrugger, Clay Hanus, Ole Bjørgvik-Holm (alle verletzt) und Paul Huber, der mit Fieber das Bett hütete. In Summe also wieder neun Ausfälle. „Eine weitere Chance für unsere Jungen“, nahm Sportchef Philipp Pinter das „Lazarett“ zähneknirschend zur Kenntnis.
Einer von den Jungen war Erik Wittwer, der gegen die Skandinavier überraschend im Grazer Aufgebot stand. Kennen Sie nicht? Verständlich! Denn der 21-jährigen Schweizer, der auch einen österreichischen Pass besitzt, steht eigentlich aktuell bei Kooperationsklub Kitzbühel in der Alps Hockey League unter Vertrag. Mittels B-Lizenz ist der Stürmer, der letztes Jahr in Kanada gespielt hat, – nach den vielen Ausfällen – nun auch für Graz spielberechtigt. Die Grazer zauberten also einen Stürmer aus dem Hut – dessen weitere Entwicklung die 99ers jetzt genau beäugen...
Die Lacroix-Truppe (wieder mit Neo-Goalie Kiviaho im Tor, der gegen seinen Jugendklub auflaufen durfte) wirkte anfangs auch sehr bemüht, war phasenweise sogar stärker als SaiPa. Allerdings fehlte den Murstädtern das Zielwasser.
Statt in Führung zu gehen, fingen sich die Grazer das 0:1 (9.) durch Salminen. In der Folge kassierten die Steirer viele unnötigen Strafen, fehlte zweifellos auch die Qualität. Bitter: Nach 13 Minuten musste Paul Stapelfeldt nach einem Kniecheck mit einer 5-Minuten-Strafe plus Spieldauerdisziplinarstrafte unter die Dusche. Ein weiterer Tiefschlag.
Im weiteren Verlauf des Spiels hatte man fast immer ein bisschen den Eindruck, als könnten die Finnen jederzeit noch ein, zwei Gänge höher schalten. Brauchten sie aber nicht: Naukkarinen (30.) und Fridrich (35.) stellten im Mitteldrittel auf 3:0 für die Männer aus dem hohen Norden.
Swaney konnte mit seinem 1:3-Anschlusstreffer (41.) zu Beginn des Schlussdrittels die Partie zwar noch kurz heiß machen. Am Ende fehlte den Grazern auf diesem hohen Champions-League-Level aber die Luft die Partie noch zu drehen. Auch wenn man ihnen erneut mit diesem stark dezimierten Aufgebot keinen großen Vorwurf machen kann.
Trainer Lacroix: „Zu viele Strafen“
Trainer Dan Lacroix meinte am Ende: „Wir haben einen guten Start gehabt, bei 5 gegen 5 auch ausgeglichen agiert. Durch ihren brutalen Speed haben wir haben viele Strafen kassiert, zu viel Zeit auf der Strafbank verbracht. Wenn dann viele routinierte Spieler fehlen wird es schwer. Die jungen Spieler brauchen hingegen genau solche Partien für ihre Entwicklung. Das Penaltykilling war aber sehr gut, auch unser Tormann Henri Kiviaho hat eine herausragende Leistung gezeigt.“
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