26.11.2014 15:30 |

Chastain & McAvoy

"Eleanor Rigby": Das Leben nach dem großen Schock

Wenn ein erfolgreicher Kurzfilm zu einem Langfilm wird und dann erst wieder gekürzt werden muss, weil sonst die sogenannte "Markttauglichkeit" nicht gegeben wäre, dann muss man üblicherweise davon ausgehen, dass das Endergebnis nicht mehr sonderlich inspiriert wirkt. Doch "Das Verschwinden der Eleanor Rigby" (Kinostart: 27. November), das Debüt des US-Amerikaners Ned Benson, belehrt uns über weite Strecken eines Besseren.

Der Indie-Film mit den jungen Schauspielstars Jessica Chastain und James McAvoy scheint wie gemacht für die Generation der 30-Jährigen mit ihren scheinbar unzähligen Wahlmöglichkeiten und gleichzeitig immer schwierigeren Aussichten. Dazu kommen Themen wie Identitätsfindung, Familienbande, Vertrauen und Trauerbewältigung.

Dabei sieht bei Eleanor und Conor das Leben erst mal nach allem anderen als nach Drama aus. Sie liegen nachts im Park, beobachten Glühwürmchen, scheinen unbekümmert trotz stagnierender beruflicher Entwicklungen: Er führt eine schäbige Bar mit wenig inspirierter Küche, sie hat ihre Promotion abgebrochen. Doch dann geschieht eine Tragödie, die das Ehepaar in einen Schock versetzt und zusehends auseinandertreibt.

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Ereignisses hat Regisseur Benson aus einem Kurzfilm zu zwei Spielfilmen ausgearbeitet, weswegen "The Disappearance of Eleanor Rigby" ursprünglich in einer Doppelfassung mit über drei Stunden Länge in Toronto uraufgeführt wurde. Die gekürzte Fassung von rund zwei Stunden, die die beiden Perspektiven miteinander verschränkte, lief schließlich in Cannes in einer Nebenreihe.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Was für eine famose Besetzungsriege! Und was für ein Beziehungsdrama - letztlich die filmisch kondensierte Fassung aus einer männlichen und einer weiblichen Schmerzensperspektive. Wie Chastain ("Tree of Life", "Zero Dark Thirty"), eine der absoluten Top-Schauspielerinnen ihrer Generation, die Fragilität einer sich abkapselnden Frau spürbar macht, die durch einen Tod aus der Bahn geworfen wird, ist großes Kino der Emotionen. Dass der Streifen bei aller herzzermörsernder Trostlosigkeit ein Plädoyer für die Liebe ist, ist der behutsamen Inszenierung durch Regisseur Ned Benson zu verdanken.

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