Interview mit Seb Coe:

„Die Besten! 10 Millionen Dollar an Preisgeldern!“

Sport-Mix
04.09.2026 16:31
Porträt von Olaf Brockmann
Von Olaf Brockmann

Schon vor dem Finale der Diamond League Freitag und Samstag in Brüssel hat Weltpräsident Sebastian Coe die Königsklasse der Leichtathletik heuer als „eine Saison für die Ewigkeit“ gepriesen. Am nächsten Wochenende beginne mit der World Athletics Ultimate Championship ein neues Zeitalter. Seb Coe, Olympiasieger und Weltrekordläufer von einst: „Nur die Besten der Besten sind am Start.“ Eine Rekordsumme von 10 Millionen Dollar werde an Preisgeldern ausgeschüttet, zudem gebe es viele Innovationen: „Wir werden alle überrascht sein!“

In einem Round-Table-Gespräch – die „Krone“ war dabei – zog Seb Coe im Cardo-Hotel von Brüssel seine Bilanz der heurigen Diamond League: „Es war eine Saison für die Ewigkeit!“ Es habe ausverkaufte Stadien gegeben und Zürich mit seinen beiden Weltrekorden sowie zahlreichen weiteren Weltklasseleistungen sei „unglaublich“ gewesen. Durch die kommende Ultimate Championship habe die Diamond League „absolut nichts an Bedeutung“ verloren. „Unser Wettkampfkalender ist nicht zu voll.“ Im Gegenteil: Coe würde es begrüßen, wenn die Diamond League mit Meetings „südlich des Äquators“ ergänzt würden. „Es ist immer wichtig, dass wir uns weiterentwickeln!“

Layout des Budapester Stadions für die Ultimate Championship
Layout des Budapester Stadions für die Ultimate Championship(Bild: World Athletics)

„Wir wollen etwas anderes machen“
Wie jetzt mit der Ultimate Championship, die in Budapest vom 11. bis 13. September stattfindet: „Diese ist total neu! Wir wollten keine Weltmeisterschaften wiederholen, wo jede Disziplin ausgetragen wird, wo du 2000 Athleten hast. Hier sind an drei Tagen nur die Besten der Besten am Start. Es war aber unmöglich, alle Disziplinen reinzunehmen.“ So fehlen zum Beispiel Diskus oder Kugelstoßen oder auch manch traditionelle Laufdisziplin. Die Auswahl der Disziplinen sei „nach intensiven Nachforschungen bei Zuschauern im Stadion oder TV erfolgt“. „Wir wollten einmal etwas anderes machen. Wahrscheinlich wird nicht alles klappen, es wird Elemente geben, die wir dann verfeinern werden. Es wird auch ein neues Publikum sein, das nicht traditionell mit der Leichtathletik verbunden ist, natürlich wollen wir auch nicht unsere eigenen Fans vertreiben. Ich denke, wir haben eine gute Balance dafür gefunden, wir haben drei Jahre daran hart gearbeitet.“

Tokio 2025: Interview mit Usain Bolt, Botschafter der Ultimate Championships
Tokio 2025: Interview mit Usain Bolt, Botschafter der Ultimate Championships(Bild: Willi Palmer/World Athletics Media Academy)

„Finanzielle Absicherung der Athleten“
Das Preisgeld mit 10 Millionen Dollar ist – nicht für die Leichtathletik - sensationell hoch, jeder Sieger erhält 150.000 Dollar, der Zweite 75.000 Dollar. Möglich sei diese hohe Summe durch einen „neuen Markt, ein neues Konzept“ geworden, finanziert natürlich maßgeblich durch Sponsoren, Verkauf von TV-Rechten und Zuschauer-Einnahmen. Coe: „Die Athleten, mit denen ich gesprochen habe, haben keine Zweifel an diesem neuen Projekt. Sie begrüßen es, jeder, der teilnimmt, erhält eine Prämie.“ Sogar der 16. und Letzte, der beispielsweise über 100 m ausscheidet, erhält 2000 Dollar.

Mondo Duplantis als Weltmeister in Budapest 2023
Mondo Duplantis als Weltmeister in Budapest 2023(Bild: World Athletics/Casy Sims)

Coe: „Als elementaren, zentralen Pfeiler unseres Sports habe ich immer die finanzielle Absicherung der Athleten gesehen.“ Wurde bei den Spielen in Paris 2024 nur der Sieger von World Athletics honoriert, erhalten in Los Angeles 2028 zusätzlich auch die Zweiten und Dritten Prämien. Die Kritik, dass nur wenige immer mehr verdienen würden, entgegnete Seb Coe mit nackten Zahlen. Im olympischen Zeitraum von vier Jahren habe World Athletics 51 Millionen Dollar an Preisgeldern ausgeschüttet.

Mondo Duplantis, Botschafter der Ultimate Championship, vor der Kettenbrücke in Budapest
Mondo Duplantis, Botschafter der Ultimate Championship, vor der Kettenbrücke in Budapest(Bild: World Athletics)

Jeweils eine Disziplin allein im Fokus
Die Ultimate Championship stecke voller Innovationen, die „alle überraschen“ werden. Im Gegensatz zu traditionellen Leichtathletik-Wettkämpfen, wo immer mehrere Disziplinen zeitgleich stattfinden, steigt in Budapest jeweils nur eine Disziplin, die durch ein neues Beleuchtungssystem ideal im Mittelpunkt stehen wird. So werden die horizontalen Sprünge auch in einem sehr verkürzten Modus über nur vier Runden ausgetragen. Abgesehen von den Sprints finden immer nur direkt Finals statt. Alles ideal für die TV-Übertragung, wohl ungewohnt für die Zuschauer im Stadion. Coe: „Ich denke, wir haben da eine ideale Balance gefunden.“

Trophy und Armband für die Sieger der Ultimate Championship
Trophy und Armband für die Sieger der Ultimate Championship(Bild: World Athletics)

Bolt und Duplantis als Botschafter
Mit Sprint-Legende Usain Bolt und Stabhoch-Überflieger Mondo Duplantis hat World Athletics zwei der größten Leichtathleten aller Zeiten als Botschafter der Ultimate Championship berufen. Bolt: „Es ist immer gut, etwas Neues zu machen, ich bin von dem neuen Format des Events fest überzeugt.“ Der Jamaikaner, achtmaliger Olympiasieger und elfmaliger Weltmeister, ist natürlich nächstes Wochenende auch in Budapest dabei, wenn Mondo Duplantis mit dem Stab die fette Prämie von 150.000 Dollar jagt. Der Schwede promotet die Ultimate Championship mit einer gemeinsam mit Carl Silvergran und Oscar Chase verfassten Meisterschafts-Hymns „Gold“.

Mondo Duplantis auf der Fischerbastei in Budapest
Mondo Duplantis auf der Fischerbastei in Budapest(Bild: Christel Saneh/World Athletics)

Auch 2028 am Saisonende
In jenen Jahren, in denen keine WM stattfindet (also in den gerade Jahren), wird die Ultimate Championship jeweils den Abschluss der Leichtathletik-Saison bilden. 2028, wenn im Juli die Olympischen Spiele in Los Angeles ausgetragen werden, steigt diese Meisterschaft – so wie heuer – nach dem Finale der Diamond League.

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