Jahrhunderte verdeckt

Eggenberg: Die Geschichte der Sensations-Malerei

Steiermark
23.08.2026 17:30

Das Grazer Schloss Eggenberg wird restauriert. Über einem Baldachin im Paradeschlafzimmer fanden Historiker ein Deckengemälde, das seit seinem Entstehen im 17. Jahrhundert nicht mehr berührt wurde.

Johann Seyfried von Eggenberg hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um sein Schloss prunkvoll neu erstrahlen zu lassen: 600 Deckengemälde schmückten seither den Stammsitz der Eggenberger, die kurz danach als Dynastie ausstarben, weil männliche Nachkommen fehlten.

Es war wohl das Jahr 1668, in dem die Maler eine alttestamentarische Schlachtenszene ins sogenannte Paradeschlafzimmer pinselten: „Diese hier zeigt Moses gegen die Amalekiter“, erklärt Paul Schuster, Leiter des Schlosses. Ein Reiter sticht mit einem Speer in den Rücken eines Gegners. „Alle Deckenbilder in dem Raum sind von Druckgrafiken inspiriert und zeigen Motive, die damals weitverbreitet waren“, sagt Schuster.

Das Bild zeigt die Schlacht der Israeliten gegen die Amalekiter, ein mit den Israeliten ...
Das Bild zeigt die Schlacht der Israeliten gegen die Amalekiter, ein mit den Israeliten verfeindetes Nomadenvolk, aus dem Alten Testament(Bild: UMJ/Schloss Eggenberg, P. Schuster, P. Gradischnigg)

Das Besondere an diesem Deckengemälde, der Unterschied zu den etwa 599 anderen Malereien im Schloss Eggenberg, ergibt sich aus der Möblierung des Raumes. Die letzte Eggenberger Fürstin Maria Eleonora ließ Mitte des 18. Jahrhunderts ein Paradebett mit einem Baldachin im Rokoko-Stil aufstellen, der bis zur Decke reichte. „Ein Paradebett ist ein reines Repräsentationsmöbel“, erklärt Paul Schuster. „Die damalige Mode verlangte es, ein Schlafzimmer zu haben, in dem besonders hochrangige Gäste empfangen wurden.“ Der Audienzgeber lag aber nicht im Bett, sondern stand daneben. 1765 war zum Beispiel Maria Theresia dort zu Gast.

Mit einem Gerüst wurde das Gemälde erstmals wieder zugänglich.
Mit einem Gerüst wurde das Gemälde erstmals wieder zugänglich.(Bild: UMJ/Schloss Eggenberg, P. Schuster, P. Gradischnigg)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden so gut wie alle Deckengemälde restauriert – und zwar nicht ganz so vorsichtig, wie man das heute macht. Seit 2023 wird im Schloss wieder hergerichtet, von 2023 bis 2030 gibt es dafür 13 Millionen Euro von Bund und Land. „Als wir bei dem Prunkschlafzimmer angekommen waren, haben wir bemerkt, dass der Baldachin nie bewegt wurde – das Holz, die Seile, die Nägel stammten allesamt aus 1760“, sagt Schuster.

Unberührt seit mehr als 250 Jahren
So fanden Schuster und sein Team heraus, dass auch die Malerei über dem Baldachin nie berührt worden war – eine kleine Sensation. „Der Zustand ist erstaunlich gut“, erklärt der Leiter des Museums. „Die Malerei ist nur ein bisschen rissig und verschmutzt.“ Die Schlachtenszene wird nun „minimal gereinigt und gefestigt“, um sie möglichst unberührt für die Nachwelt zu erhalten. „Sie dient uns als eine der wichtigsten Quellen für Restaurationen in der Zukunft.“ Und die Arbeiten im Schloss gehen weiter: Aktuell sind 13 von 24 bemalten Decken fertig restauriert.

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