Mit Farbe besprüht
YouTuber (45) stellt Taschendiebe in Venedig bloß
In Venedig eskaliert der Streit zwischen selbst ernannten Taschendieb-Jägern und mutmaßlichen Dieben. YouTuber verfolgen und konfrontieren Verdächtige, markieren sie mit roter Farbe oder besprühen sie mit Wasser. Immer wieder geraten dabei auch Einwohner und Touristen in die Auseinandersetzungen.
Im Mittelpunkt steht der Youtuber Mervin Hunter, der seit Monaten in verschiedenen Städten mutmaßliche Taschendiebe aufspürt und konfrontiert.
Der 45-jährige philippinische Staatsbürger, der eigentlich Mervin Dayagro heißt und seit etwa einem Jahr in Rom lebt, veröffentlicht unter dem Namen „Mervin D. Hunter“ Videos seiner Aktionen (siehe unten).
Zusammen mit zwei britischen Videomachern sucht er Orte auf, an denen Taschendiebstähle vermutet werden. Die Gruppe ruft „Pickpocket“, filmt die Begegnungen und markiert Verdächtige teilweise mit roter Farbe. Die Videos erreichen in sozialen Netzwerken teils Hunderttausende Aufrufe.
Venedig bangt um sein Image
Nach Einsätzen in Rom ist Dayagro inzwischen in Venedig unterwegs. Die Aktionen finden unter anderem auf Gassen, Plätzen und an Vaporetto-Anlegern statt. Nach Angaben der Behörden haben die mutmaßlichen Taschendiebe ihrerseits zuletzt zunehmend gewaltsam reagiert.
In einem jüngsten Fall trafen Hunter und seine Begleiter auf eine Gruppe mutmaßlicher Taschendiebe. Die YouTuber begannen, mit einer Sprühpistole zu sprühen. Die Gruppe reagierte mit Steinen und warf Gegenstände um sich, auch Pfefferspray kam zum Einsatz. Kurz darauf griff die Stadtpolizei ein und identifizierte alle Beteiligten.
Bürgermeister verurteilt Aktionen
Der venezianische Bürgermeister Simone Venturini kritisiert die Aktionen der YouTuber scharf. Sie würden lediglich dazu dienen, Likes zu sammeln und würden zugleich Probleme für die öffentliche Ordnung schaffen. Die Auseinandersetzungen hätten inzwischen auch international für Schlagzeilen gesorgt und damit dem Ansehen Venedigs als Touristendestination geschadet.
„Stadt nicht militarisieren“
Venturini verweist darauf, dass allein die venezianische Stadtpolizei seit Jahresbeginn 75 mutmaßliche Taschendiebe festgenommen habe. „Wie viele sind im Gefängnis? Ich würde sagen: wahrscheinlich niemand“, kritisiert der Bürgermeister. „Wir können die Stadt aber nicht militarisieren“, betonte der Bürgermeister.

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