Di, 11. Dezember 2018

Dichtet Gefäße ab

05.11.2014 18:49

Wiener Medikament neue Hoffnung gegen Ebola

Eine ursprünglich von Wiener Wissenschaftlern entwickelte Substanz ist erstmals zur Therapie von Komplikationen bei einem Ebola-Patienten verwendet worden. Mediziner an der Frankfurter Universitätsklinik nutzten ein Peptid namens FX06 um die löchrig gewordenen Blutgefäße des Mannes zu versiegeln. Der Patient, ein 38-jähriger Kinderarzt aus Westafrika, befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Möglicherweise habe FX06 den Mann aus Sierra Leone über die kritische Komplikation des Flüssigkeitsaustrittes in die Lunge so hinübergerettet, dass der die kritische Phase überstand, gaben deutsche Wissenschaftler und das Wiener Biotech-Unternehmen MChE-F4Pharma am Mittwoch bekannt.

Die Substanz wurde 2006 vom Wiener Biotech-Unternehmen Fibrex bis hin zu klinischen Studien der Phase II (Dosisfindung, Proof of Concept) in der Anwendung zur Verhinderung des sogenannten Reperfusionsschadens bei Ballondilatation (Aufdehnung mittels eines an einem Katheter angebrachten Ballons, Anm.) verlegter Herzkranzgefäße in Tests an 243 Patienten in Europa erfolgreich entwickelt. Dann wurde es für die Weiterentwicklung an ein US-Unternehmen auslizensiert, doch die schlug fehl. Jetzt liegen die Patentrechte bei MChE-F4Pharma mit dessen Geschäftsführer Thomas Steiner, der bei der FX06-Entwicklung von Anfang an dabei gewesen war. "Ich wollte einfach nicht, dass die Substanz einfach in irgendeiner Schublade liegen bleibt", sagt der.

Biotech-Substanz dichtet Blutgefäße ab
Bereits Anfang 2000 identifizierte man an der Abteilung für Haut- und Endothelforschung der Wiener Universitätshautklinik im AKH das aus 28 Aminosäuren bestehende Peptid B-beta15-42 - ein Teil des Blutklebstoffs Fibrin - als mögliche Wirksubstanz für eine Reihe von Einsatzgebieten: z.B. zur Verhinderung von Herzinfarktschäden und Komplikationen von Schockzuständen (bei Multiorganversagen etc.). Das Eiweißfragment ist eine Art Versiegelung für im Rahmen solcher Erkrankung "löchrig" gewordene Blutgefäße, aus denen Flüssigkeit in das umliegende Gewebe austritt.

"Das nennt man 'Vascular Leak'. Bei Ebola-Patienten kann das im Verlauf (der Erkrankung; Anm.) zu massiven Komplikationen der Lungen und anderen Organen führen", sagte dazu Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie der Universitätsklinik Frankfurt.

Am 3. Oktober dieses Jahres stand das Team der Frankfurter Universitätsklinik dann vor einem solchen Patienten. "Wir haben damals einen 38-jährigen Kinderarzt aus Westafrika mit Ebola eingeliefert bekommen. Wenn Sie in einem solchen Fall keine etablierte Therapie haben, stehen Sie mit dem Rücken zur Wand", so Zacharowski.

Genau das war in jenen Tagen der Fall. "Der Patient wurde schwerkrank. Wir haben ihn im Team intensivmedizinisch versorgt. Wir konnten beobachten, dass er mehr oder minder in ein Multiorganversagen geriet. Die Lungenfunktion wurde immer schlechter. Da stellt man sich die Frage, ob vielleicht ein für diese Anwendung nicht zugelassenen Therapieprinzip wirken könnte", so der Mediziner.

Frankfurter Patient erholt sich
Schließlich erhielt der Patient in Frankfurt jeweils zweimal 200 Milligramm des Peptids FX06 im Abstand von zehn Minuten - und das alle zwölf Stunden an drei aufeinanderfolgenden Tagen. "Wir konnten beobachten, wie das 'Vascular Leak' reduziert wurde. Die Atemfunktion wurde wieder besser", sagte Zacharowski, der aber darauf hinweist, dass FX06 wahrscheinlich möglichst früh verabreicht werden sollte.

Genau diese Möglichkeit will MChE-F4Pharma-Geschäftsführer Steiner  jetzt für den dringendsten Bedarf eröffnen. "Wir haben bei dem von uns beauftragten Erzeuger von FX06 in den USA noch rund ein Kilogramm auf Lager. Wir glauben und wir haben ganz starke Hinweise dafür, dass FX06 Ebola-Patienten retten könnte. Wir müssen daher alles daran setzen, um möglichst den Menschen zu helfen."

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