Ein niederösterreichischer Vizeleutnant des Bundesheeres hatte mit Grundwehrdienern einen Army-Shop in Enns (OÖ) aufgesucht und dort angebotene Artikel beworben. Die Empörung im Ministerium darüber ist groß, jetzt werden rechtliche und disziplinäre Schritte angekündigt.
Es war offenbar ein kurioser Anblick, diese aus mehr als 14 uniformierten Soldaten bestehende Gruppe in den Army-Shop in Enns marschieren zu sehen. Und zu beobachten, wie ein Vizeleutnant dort Werbung für den Laden macht. Ein Video zeigt, wie eine Passantin, die am Schaufenster vorbeigeht, ganz entgeistert dreinschaut.
„Schaut euch um“
In dieser Filmaufnahme ist zu hören, wie der Unteroffizier die gute Ausstattung anpreist: „Zum Beispiel die Leiberln sind top, oder die Jacken! Es gibt eigentlich keinen Gegenstand, der nicht dem entspricht, was wir im Einsatz benötigen würden, schaut euch um“, lobt er. Auch die Segeltuchschuhe haben es ihm angetan: „Die tragen wir auch – weil es bequem ist.“
Dann erklärt er den Untergebenen, dass die Dichtheit der angebotenen Jacken optimal sei: „Zwischen 10.000 und 20.000 Millimeter Wassersäule. Deshalb haben wir den Zwischenstopp gemacht – vielleicht findet der eine oder andere hier was.“
Soldatische Stammkundschaft
Simon Weiß, Geschäftsführer des Army-Shops, freut sich über die Werbung: „Zu uns kommen oft Soldaten, wir sind ja nur 300 Meter von der Heeresunteroffiziersakademie Enns entfernt.“ Der 24-Jährige war früher selbst Berufssoldat, hatte bei den Panzergrenadieren in Ried/I. Dienst verrichtet, weiß, was den Ex-Kollegen gefällt.
Dass eine ganze Gruppe – wie in dem Fall aus Götzendorf (NÖ) – in der Dienstzeit vorbeischaut, war neu. „Das dürfte vom dortigen Kommandanten aber genehmigt worden sein. Der Vizeleutnant war mit den Grundwehrdienern zuvor auch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen gewesen.“
Neue Uniformen entwickelt
Im Verteidigungsministerium zeigt man für die Aktion kein Verständnis. „Wir haben Millionen und viel Mühe in die Entwicklung neuer Kampfanzüge, Uniformen, Rucksäcke und Regenjacken gesteckt“, betont Heeressprecher Oberst Michael Bauer.
Wir sind eine staatliche, politisch unabhängige Institution, die sich für private wirtschaftliche Interessen nicht missbrauchen lassen darf.

Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer
Bild: Peter LECHNER
Bis zu 80 Bestandteile würden den Bediensteten zur Verfügung gestellt. „Daher ist es sinnlos, sich Ausrüstung in privaten Shops zu kaufen. Außerdem ist es explizit verboten, so etwas zu tragen.“ Die Rechtsabteilung des Ministeriums werde den Fall prüfen, dem Vizeleutnant droht nun auch ein Disziplinarverfahren.
Wenn Soldaten sich in Army-Shops mit Zubehör eindecken, das sie nur privat verwenden, wird das niemanden stören. Doch wenn Heeresbedienstete dort gezielt Artikel kaufen, um sie anstelle der offiziellen Uniformbestandteile im Dienst zu verwenden, wird es problematisch. Denn so etwas ist nicht erlaubt und wirft außerdem ein miserables Bild auf die vom Dienstgeber offiziell bereitgestellte Ausrüstung.
Wenn sich dann noch ein Unteroffizier vor Grundwehrdienern hinstellt und private Army-Produkte in den Himmel preist, ist das für das Bundesheer natürlich rufschädigend.
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