Immer noch Tabuthema

Gehälter sollen bis Mitte 2026 offengelegt werden

Wirtschaft
30.10.2025 15:09
Porträt von krone.at
Von krone.at

Das Gehalt ist für die meisten Menschen ein Thema, über das sie nicht gern sprechen. Die „Allianz für Lohntransparenz Neu“ möchte dies ändern. Nur so könne man wissen, ob man von Lohndiskriminierung überhaupt betroffen sei. Bis Juni 2026 muss indes die EU-Lohntransparenzrichtlinie umgesetzt werden. 

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag hat die Allianz eine effektive Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie gefordert. Die Teilnehmer – u.a. Arbeiterkammer (AK), Städtebund, Gewerkschaftsbund (ÖGB) und das Netzwerk Frauen- und Mädchenberatungsstellen – wollen das Thema Gehalt aus der „Tabuzone“ holen. Aktuell würden 59 Prozent in ihrem Betrieb nicht darüber sprechen, so das Ergebnis einer von der Allianz in Auftrag gegebenen Studie.

Nur jeder Dritte spricht mit Vorgesetzten über Gehalt
In der repräsentativen Umfrage von L&R Sozialforschung mit 2514 Befragten in Österreich gab ein Drittel außerdem an, nicht zu wissen, was Kolleginnen und Kollegen verdienen. Wird über das Einkommen gesprochen, so zu rund 81 Prozent mit Kolleginnen und Kollegen, 34 Prozent sprechen darüber auch mit Vorgesetzten. Viele könnten nur vermuten, ob sie von Lohndiskriminierung betroffen sind, sagte die Leiterin der Abteilung Frauen- und Gleichstellungspolitik in der AK, Eva-Maria Burger. Nur wenn Ungleichheiten aufgedeckt werden, könnten sie auch angesprochen und bekämpft werden, betonte ÖGB-Vizepräsidentin Christa Hörmann.

Jeder dritte Arbeitnehmer weiß nicht, wie viel seine Kollegen verdienen.
Jeder dritte Arbeitnehmer weiß nicht, wie viel seine Kollegen verdienen.(Bild: Stockfotos-MG - stock.adobe.com)

Maßnahmen bei Lohngefälle von mehr als fünf Prozent nötig
Die EU-Lohntransparenzrichtlinie muss bis Juni 2026 umgesetzt werden. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will den Gesetzesentwurf im ersten Quartal 2026 in Begutachtung schicken. Ziel sei es, den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ voranzutreiben, wird sie in einem Statement zitiert. Die EU gibt beispielsweise vor, dass Arbeitnehmer Auskunft über die durchschnittliche Entgelthöhe für gleiche oder gleichwertige Arbeit – aufgeschlüsselt nach Geschlecht – bekommen. Wird in Einkommensberichten ein Lohngefälle von mehr als fünf Prozent festgestellt, das nicht durch objektive und geschlechtsneutrale Kriterien gerechtfertigt werden kann, müssen Unternehmen Maßnahmen treffen.

Lohnlücke ist häufig nicht statistisch erklärbar
Die Allianz will Politik und Wirtschaft als Ansprechpartnerin dafür zur Verfügung stehen, erklärte Burger. Präsentiert wurde die Allianz im Vorfeld des Equal Pay Days am 2. November, der auf die geschlechterspezifische Lohnlücke aufmerksam macht. Bei ganzjährig Vollzeitbeschäftigten liegt sie bei 16,3 Prozent; zieht man hingegen die Bruttostunde und damit auch Teilzeitbeschäftigung heran, liegt sie bei 18,3 Prozent. Nur ein Drittel davon sei statistisch erklärbar, so Burger – etwa dadurch, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen und seltener in Führungspositionen arbeiten. Durch die Lohntransparenz erwartet sie sich neue Daten zum nicht erklärbaren Teil.

Gerechte Lohnentwicklung wird in frauendominierten Berufen wie der Pflege gefordert.
Gerechte Lohnentwicklung wird in frauendominierten Berufen wie der Pflege gefordert.(Bild: Chinnapong - stock.adobe.com)

Allianz fordert Berichtspflichten auch für kleine Betriebe
Die Lohntransparenzrichtlinie soll in Betrieben eine offene Gesprächskultur über Geld, die volle Transparenz über alle Entgeltbestandteile – auch Überzahlungen – und leicht zugängliche Informationen zu Einkommen schaffen, fordert die Allianz. Zudem brauche es bereits im Bewerbungsprozess Transparenz über Gehälter. Da die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich in Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten arbeitet, soll es auch dort Zugang zu Einkommensberichten geben. Berichtspflichten gibt es laut der EU-Richtlinie nur für Organisationen ab 100 Beschäftigten. Die vorgesehene Monitoringstelle für Arbeitgeber und Betriebsräte soll genug Ressourcen haben, um eine Servicestelle sein zu können.

91 Prozent wollen Infos zu Überzahlungen
Diese Veränderungen würden sich auch die Beschäftigten wünschen, ist Burger überzeugt. 91 Prozent gaben in der Umfrage beispielsweise an, sich Informationen darüber zu wünschen, welche Überzahlungen es im Unternehmen gibt. 90 Prozent wollen, dass sich Führung und Management für gleiche Bezahlung von Männern und Frauen einsetzen, 79 Prozent ein Recht auf Informationen über das durchschnittliche Einkommen von Kolleginnen und Kollegen mit vergleichbarer Arbeit.

Lohntransparenz könne auch zur Gewaltprävention beitragen, sagte die Geschäftsführerin der Frauen- und Mädchenberatungsstellen, Sophie Hansal. Schließlich mache finanzielle Abhängigkeit Frauen verwundbar. Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger pochte auf weitere Maßnahmen wie eine gerechte Lohnentwicklung und beklagte die niedrigere Entlohnung in Gesundheit und Pflege, wo vor allem Frauen beschäftigt sind.

Grüne für Einkommensberichte ab 35 Mitarbeitern
Die grüne Frauensprecherin Meri Disoski sprach sich für Einkommensberichte schon ab 35 Mitarbeitern aus. In diesen müssten die unterschiedlichen Gehaltsbestandteile, auch Zulagen und Boni, aufgeschlüsselt sein. Bei Verstößen brauche es Sanktionen. Um den Gender Pay Gap zu verkleinern, seien weiters mehr Kinderbetreuungsplätze notwendig – die Grünen wollen zusätzliche 50.000 bis 2030 – sowie eine bessere Bezahlung in frauendominierten Branchen. Es sei „kein Naturgesetz“, dass es dort gehäuft zu Lohndumping kommen müsse, sagte Disoski, die das geplante Aus des Pflegebonus durch die schwarz-blaue Landesregierung in Salzburg bemängelte.

Die Bundesregierung kritisierte sie für ihre Prioritätensetzung – von Sparmaßnahmen wie der Abschaffung der Bildungskarenz und der ausgesetzten Valorisierung der Familienleistungen seien vor allem Frauen betroffen, stattdessen werde in Projekte wie den Lobautunnel investiert. Das Argument, dass dieser mit Geld der Asfinag bezahlt werde, ließ sie nicht gelten – es handle sich um Steuergeld, das die Politik auch für den Sozialstaat verwenden könnte.

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