Mo, 25. Juni 2018

Drama in Tripolis

28.07.2014 16:45

Treibstofftanks in Flammen: "Katastrophe droht"

Nach einem Raketeneinschlag in einen Treibstofftank am Sonntag droht der libyschen Hauptstadt Tripolis eine "Katastrophe", wie am Montag ein Sprecher des staatlichen Ölkonzerns NOC erklärte. Die Feuerwehr habe den Brand demnach nicht in den Griff bekommen, mittlerweile hätten die Flammen bereits auf einen zweiten Tank übergegriffen. Den Angaben zufolge fehlt es vor allem an Löschwasser. Die Regierung, die von einer "sehr gefährlichen Lage" sprach, forderte Löschflugzeuge aus dem Ausland an und rief Anrainer zur Flucht auf.

Vor dem Hintergrund anhaltender Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen wurde am Sonntagabend der sechs Millionen Liter fassende Treibstofftank von einer Rakete getroffen, wie der NOC-Sprecher sagte. Am Montagnachmittag hätte dann ein zweiter Tank Feuer gefangen. Da weitere angrenzende Tanks mit insgesamt mehr als 90 Millionen Litern Fassungsvermögen sowie ein Erdgasspeicher ebenfalls in Brand geraten könnten, drohe demnach eine gewaltige Explosion. Diese könne in einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern schwere Schäden anrichten. Die Regierung rief alle Anrainer dazu auf, sofort aus dem Gebiet zu flüchten.

Dem NOC-Sprecher zufolge gelang es der Feuerwehr nicht, dem Brand mit Löschwasser beizukommen. "Die Wasservorräte gingen schließlich zu Ende, und die Männer mussten sich entfernen. Die Situation ist außer Kontrolle." Nach Regierungsangaben boten mehrere Länder an, Löschflugzeuge zu entsenden. Nach Einschätzung von NOC droht eine "Katastrophe für Mensch und Umwelt mit unvorhersehbaren Konsequenzen", sollte das Feuer nicht gelöscht werden.

Weiterhin Gefechte um Flughafen, auch Kämpfe in Bengasi
Die Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Straße zum internationalen Flughafen von Tripolis, die im Kampfgebiet rivalisierender Milizen liegt. Diese liefern sich seit zwei Wochen Gefechte um den Airport. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Samstag rund 100 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Die Gefechte dauerten am Montag an, aus dem Zentrum von Tripolis waren Explosionen zu hören. Auch in der östlichen Metropole Bengasi herrschen Chaos und Gewalt. Bei Gefechten zwischen Regierungskräften und islamistischen Milizen wurden am Wochenende laut Armee 28 Menschen getötet.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadafi im Jahr 2011 kommt Libyen nicht zur Ruhe. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft und Kontrolle über verschiedene Städte, Landesregionen oder Einnahmequellen. Dennoch ist selbst die Regierung zum Teil auf die Hilfe der Milizen angewiesen, weil es keine funktionierenden Sicherheitskräfte gibt.

Immer mehr Länder fordern ihre Landsleute zur Flucht auf
Nachdem mehrere westliche Staaten wie Deutschland, die USA und Frankreich ihre Staatsbürger zum Verlassen des nordafrikanischen Landes aufgefordert haben, veröffentlichen immer mehr Regierungen ähnliche Aufrufe. So appellierte etwa Kairo an Hunderttausende ägyptische Gastarbeiter in Libyen, die umkämpften Zonen Tripolis und Bengasi zu verlassen. Das libysche Gesundheitsministerium warnt vor Folgen für die medizinische Versorgung, nachdem die Regierung der Philippinen die rund 3.000 philippinischen Ärzte und Krankenpfleger aufrief, aus dem Land zu flüchten.

Die italienische Regierung ließ in den vergangenen Tagen über 100 Italiener auf dem Landweg aus Libyen in Sicherheit bringen. Mit Konvois seien jene Italiener, die wegen der gefährlichen Entwicklung das Land verlassen wollten, in das benachbarte Tunesien gefahren worden, teilte das Außenministerium in Rom mit. Sie kehrten dann per Flugzeug nach Italien zurück. Auf Bitten mehrerer Regierungen hin habe sich Italien demnach auch um den Transfer von Personen anderer Nationalitäten gekümmert.

Österreich zieht gesamtes Botschaftspersonal aus Tripolis ab
Indes zieht auch Österreich seine Diplomaten aus Libyen ab. Im Außenministerium in Wien wurde am Montag erklärt, es sei die Entscheidung getroffen worden, das gesamte österreichische Botschaftspersonal aus Tripolis abzuziehen. Es gehe darum, so rasch wie möglich das Land zu verlassen. Die Botschaft werde zunächst von Tunesien aus ihre Aufgabe wahrnehmen. Aufgrund der prekären Sicherheitslage in Libyen sei der Schritt notwendig geworden. Eine Reisewarnung hat es bereits gegeben, nun gibt es laut Außenministerium auch die Aufforderung an alle Österreicher, das Land umgehend zu verlassen.

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