Di, 17. Juli 2018

Eklat in GB

21.07.2014 17:42

TV-Reporter durchstöbert Gepäck der MH17-Toten

Das geschmacklose Verhalten eines britischen Journalisten im Zusammenhang mit dem Abschuss der malaysischen Boeing 777 in der Ostukraine hat am Montag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: Colin Brazier vom Fernsehsender Sky News durchstöberte am Sonntag an der Absturzstelle das Gepäck eines der 298 getöteten Passagiere von Flug MH17 - während einer Livesendung. Am Montag mussten sowohl der Reporter als auch der Sender um Entschuldigung bitten.

Am Sonntag waren schockierende Bilder von der Bergung der toten Insassen von Flug MH17 um die Welt gegangen. Zahlreiche internationale Reporter, unter ihnen auch ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz berichteten vor Ort. Um seinen Zuschauern ein Bild von der Lage an der Absturzstelle zu vermitteln, ging ein britischer Journalist des TV-Senders Sky News dann allerdings zu weit.

"Wahrscheinlich sollten wir das gerade nicht wirklich tun"
Colin Brazier präsentierte seinen Zuschauern bei einer Liveschaltung von der Absturzstelle den Inhalt eines geöffneten Koffers - und nahm dabei einen Schlüsselbund und weitere Gegenstände in die Hand. Der Verstoß gegen den üblichen Verhaltenskodex bei laufenden Ermittlungen war ihm offenbar bewusst, darauf deutet seine mitgeschnittene Aussage hin: "Wahrscheinlich sollten wir das gerade nicht wirklich tun."

Kommentatoren fordern Entlassung
Das Verhalten des Reporters löste einen Sturm der Entrüstung in sozialen Online-Netzwerken aus, einige Kommentatoren forderten seine Entlassung. BBC-Moderatorin Jacqui Oatley äußerte sich "erstaunt" über das Vorgehen ihres Kollegen, der Medienwissenschaftler Joe Watson von der Baker-Universität sprach von einem "fürchterlichen Moment für den Journalismus". Das Verhalten von Brazier sei unangemessen gewesen, teilte auch Sky News dann am Montagvormittag mit.

Reporter: "Oft nur noch verkohlte Wirbelsäulen zu erkennen"
Brazier selbst schilderte zudem zu einem späteren Sendetermin das grauenvolle Bild, das sich ihm am Ort des Absturzes geboten hatte. "Ich bin herumgegangen und überall auf Körperteile gestoßen, viele von ihnen bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Männer, Frauen und Kinder, ehrlich gesagt meistens unbestimmbar. Sehr oft kann man nur noch verkohlte Wirbelsäulen erkennen. Das ist alles, was übrig blieb", so der sichtlich erschütterte Journalist.

Das Passagierflugzeug von Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord war am Donnerstagabend im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Die Staatsführung in Kiew und die prorussischen Separatisten in der Region bezichtigen sich gegenseitig, die Boeing 777 abgeschossen zu haben. Unabhängige Untersuchungserkenntnisse gibt es bisher nicht.

Experten begannen mit Untersuchung der Leichen
Berichte über die Behinderung der Ermittlungsarbeiten und Missstände bei der Bergung von Leichen am Absturzort machten weltweit Schlagzeilen (siehe Story in der Infobox). Niederländische Ermittler begannen am Montag mit der Untersuchung der Leichen von Insassen, die sich mittlerweile in einem Kühlzug befinden (Bilder unten).

Alle fünf Waggons des unweit vom Absturzort stehenden Zugs, der sich unter Kontrolle der prorussischen Separatisten befindet, wurden von den ausländischen Spezialisten geöffnet. Entgegen bisherigen Darstellungen der Aufständischen war von einer Kühlung der sterblichen Überreste jedoch nichts zu merken, hieß es.

Niederlande: Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen
Die niederländische Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen wegen Mordes, Kriegsverbrechen und dem bewussten Abschuss eines Flugzeuges eingeleitet. Nach niederländischem Recht können Ermittlungen wegen mutmaßlicher Verbrechen, die außer Landes verübt wurden, eingeleitet werden, sobald niederländische Staatsangehörige betroffen sind.

Die Regierung in Kiew hatte sich bereits Montagmittag dazu bereit erklärt, den Niederlanden die Ermittlungen zu überlassen. Die weitaus meisten Opfer stammten aus den Niederlanden, daher könne das Land auch die Koordinierung der Ermittlungen übernehmen, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk.

Putin: "Tragödie darf von keiner Seite ausgeschlachtet werden"
Auch Russlands Präsident Wladimir Putin forderte unterdessen die prorussischen Separatisten auf, den internationalen Experten vollen Zugang zu den Überresten der abgestürzten Maschine zu geben. "Alles muss getan werden, um die Sicherheit der internationalen Experten am Ort der Tragödie zu gewährleisten", sagte Putin im Fernsehen. Der Kremlchef sprach von einer Tragödie, die von keiner Seite politisch ausgeschlachtet werden dürfe. "Solche Ereignisse sollten die Menschen nicht spalten, sondern sie einen", sagte er.

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